Auch Frauen an iranischen Universitäten dürften künftig ohne Kopftuch studieren können. © Reuters

Die iranischen Sittenwächter dürfen Frauen zukünftig auf der Straße nicht mehr aufhalten, sollte ihre Kleidung nicht den islamischen Vorschriften entsprechen. Bereits im Oktober hatte sich Präsident Hassan Ruhani vor Absolventen einer Polizeiakademie dafür ausgesprochen, dass Frauen sich auf der Straße und im Umgang mit der Polizei wieder sicher und entspannt fühlen sollten, wie die Khaleej Times aus Dubai berichtet. Er rief die Polizei zur Nachsicht auf und sprach den iranischen Frauen Mut zu.

Zuvor war es für Frauen in den 34 Jahren des Bestehens der Islamischen Republik verpflichtend, auf der Straße ein Kopftuch oder den traditionellen Tschador zu tragen. Dazu kamen lange Mäntel und Hosen in dunklen Farben. Während seines Wahlkampfs sprach sich Ruhani dafür aus, dass Frauen sich frei bewegen können sollten, ohne Angst vor Belästigungen haben zu müssen. 

Nun hat der als moderat geltende Politiker angeordnet, die sogenannten "Patrouillen des Wohlverhaltens" künftig dem Innenministerium zu unterstellen. Dieses Vorgehen schwächt die Sittenpolizei und schränkt ihre Befugnisse ein.

Der Chef der iranischen Polizei, General Ismail Ahmadi-Moghaddam, bestätigte laut einem Bericht von Süddeutsche.de, dass die Art und Weise, wie Frauen sich kleideten, nicht mehr in die Verantwortung der Gesetzesüberwachung falle. Zugleich habe der Polizeichef beklagt, für die Missbräuche der Sittlichkeitskampagne würde allein die Polizei verantwortlich gemacht. 

Seit der Wahl Ruhanis zum Präsidenten seien die Sittenstreifen in ihrem Verhalten diskreter geworden. Nach seiner Meinung zu den Kleidungsvorschriften befragt, antwortete der Präsident, ihm missfielen die strengen Regeln. Auf die Frage, ob er die Art und Weise missbillige, wie iranische Frauen in der Öffentlichkeit zum Tragen sittsamer Kleidung gezwungen würden, sagte er: "Sicher tue ich das. Sittsamkeit geht über das Tragen des Hedschabs hinaus. Die Art, wie die Wächter Keuschheit verstehen, weckt Widerspruch in unserer Gesellschaft." Die Sittenwächter würden entgegen den Lehren des Islams und somit verfassungswidrig handeln.

Besonders die inoffiziellen, selbsternannten Sittenwächter sind beim iranischen Volk berüchtigt, da sie rücksichtslos gegen Frauen und Mädchen vorgehen, die gegen die Regeln verstoßen. Zu den Verstößen zählen unverhülltes Haar, enge Kleidung oder Make-up.

Die Enkelin des Revolutionsführers Ayatollah Chomeini, Sarah Eschraghi, sprach sich laut Süddeutsche.de in einem Interview mit der arabischen Zeitung Schark-al-Aussat für die Lockerung der Kleidungsgebote aus. "Ich glaube, jeder sollte sich nach seiner Einstellung kleiden." Auch ihr Großvater, Chomeini, habe die schwarze Farbe des traditionellen Tschadors als unpassend empfunden.

Der Sprecherin des iranischen Außenministeriums, Marsieh Afcham, empfiehlt sie Mut zur Farbe. "Als Vertreterin des Außenministeriums wird sie in der ganzen Welt gesehen", sagte Eschraghi. 

Mithilfe des Internets plant Eschraghi eine Farben-Revolution für iranische Frauen. Die ganze Kleiderordnung solle abgeschafft werden, fordert die Chomeini-Enkelin laut Süddeutsche.de.