Wenn das Ende eines Krieges ein gutes Dutzend Mal angekündigt wurde und dann doch nicht eintritt, schaut man irgendwann nicht mehr hin. Und verpasst etwas: Die UN haben im Kongo Krieg geführt – und zwar erfolgreich.

Am vergangenen Dienstag erklärte die Führung der kongolesischen Tutsi-Rebellenbewegung M23 ihren bewaffneten Kampf für beendet. Das tat sie, sehr zeitgemäß, auf ihrer Facebook-Seite. Ihr Oberbefehlshaber Sultani Mukenga hat sich inzwischen nach Uganda abgesetzt und dort "ergeben". Uganda, derzeit in der Rolle des Friedensstifters, steht ebenso wie Ruanda im Verdacht, M23 unterstützt zu haben.

Die Rede ist von jener Gruppe, die noch im vergangenen Jahr mühelos die kongolesische Armee überrollt, die Stadt Goma im Ostkongo eingenommen und sich gebrüstet hatte, sie könne bis Kinshasa weitermarschieren. Seit Herbst dieses Jahres sind die Rollen vertauscht: Kongos Truppen zeigen sich in Siegerpose, die M23-Milizionäre ergeben sich mit erhobenen Händen.

Was ist passiert?

Zum einen ist Kongos Armee inzwischen besser als ihr Ruf. Außerdem hat die UN-Mission unter ihrem neuen Leiter, dem Deutschen Martin Kobler, eine andere Gangart eingelegt. Im März dieses Jahres hatte der UN-Sicherheitsrat die Stationierung einer Force Intervention Brigade (FIB), einer Interventionsbrigade aus Soldaten afrikanischer Länder abgesegnet. Die hat den klaren Auftrag anzugreifen, wenn sich eine Rebellengruppe der Entwaffnung widersetzt. Das tat die FIB mehrfach an der Seite der kongolesischen Armee gegen M23. Gleichzeitig geriet deren Hauptsponsor Ruanda unter massiven internationalen Druck – auch seitens der USA, die in Zentralafrika eine Art Schutzmacht des Regimes von Paul Kagame sind. Derart in die Zange genommen, ging den M23-Rebellen die Luft aus.

UN-Sicherheitsrat hat Interventionsbrigade mandatiert

Wenn es seither etwas im Überfluss gibt, dann mahnende Stimmen von NGOs, Thinktanks und Presse: Ja, Kongos Armee ist in besserem Zustand, aber immer noch weit von einer professionellen, disziplinierten Armee entfernt. Ja, die UN haben endlich Schlagkraft bewiesen, damit aber auch ein fragwürdiges Regime in Kinshasa gestützt. Ja, M23 ist am Ende, aber im Osten des Kongos agieren Dutzende von Rebellengruppen und Milizen.

All das ist korrekt.

Trotzdem hat in den vergangenen Monaten im Ostkongo funktioniert, was eigentlich schon für unmöglich erklärt worden war: der UN-Sicherheitsrat, im Fall Syrien ein notorischer Blockademechanismus, hat eine Interventionsbrigade mandatiert; afrikanische Nationen (Südafrika, Tansania und Malawi) haben allen Unkenrufen zum Trotz die nötigen Truppen gestellt; NGOs wie Human Rights Watch und Ermittler der UN-Expertengruppen haben in akribischer Recherchearbeit die Waffen-und Geldlieferanten in Ruanda und Uganda bloßgestellt und damit internationalen Druck erzwungen. Und jetzt ist eine der schlagkräftigsten Rebellentruppen ausgeschaltet.