Edward Snowden wendet sich nach immer neuen Vorwürfen gegen den US-Geheimdienst NSA in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Vorstellung des Schreibens durch Hans-Christian Ströbele wird am Mittag in Berlin erwartet. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete hatte den Whistleblower am Donnerstag in Russland getroffen und den an Bundesregierung, Bundestag und Generalbundesanwalt adressierten Brief entgegengenommen.

Ströbele zufolge hat Snowden ein prinzipielles Interesse, Deutschland bei der Aufklärung der NSA-Spähaffäre zu helfen. Nur: "Die Voraussetzungen dafür müssen geschaffen werden. Dazu haben wir lange hin und her diskutiert", sagte das Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums dem ARD-Magazin Panorama. Snowden habe dabei auch auf seine komplizierte juristische Situation verwiesen.

Dessen Anwalt Anatoli Kutscherena hatte zuvor der Agentur Interfax gesagt: "Er kann nirgendwohin ins Ausland reisen, sonst verliert er seinen gegenwärtigen Status." Außerdem gebe es Vereinbarungen, dass Snowden keine geheimen Informationen enthülle. Ströbele sagte, er habe Snowden angeboten, dass der frühere NSA-Mitarbeiter auch in Moskau gehört werden könnte, wo er Asyl genießt.

US-Geheimdienstausschuss will Ausspähen begrenzen

Das dreistündige Treffen fand unter größter Geheimhaltung statt. Die USA suchen Snowden mit Haftbefehl und werfen ihm Landesverrat vor. Die US-Regierung hat nach Angaben des Bundesjustizministeriums bereits vorsorglich ein Auslieferungsersuchen nach Deutschland übersandt, berichtete Panorama.

Seit Monaten werden immer mehr Details über die weltweite Spionage des US-Geheimdienstes bekannt. Die NSA kennt bei der weltweiten Spitzelei offensichtlich keine Grenzen: In E-Mails, Bildern, Fotos und Dokumenten von Hunderten Millionen Nutzern der Unternehmen Google und Yahoo schnüffelte sie nach einem jüngsten Medienbericht herum. Im Visier der NSA, die ihre umstrittene Arbeit mit dem Anti-Terror-Kampf begründet, stand wohl auch Kanzlerin Merkel.

Der Geheimdienstausschuss im US-Senat will das Ausspähen von Telefondaten durch die NSA begrenzen. Das Komitee verabschiedete am Donnerstag einen Gesetzentwurf, der unter anderem den Zugang zur Datenbank gespeicherter Verbindungsdaten stärker einschränkt. Die unautorisierte Auswertung der Informationen soll mit einer zehnjährigen Gefängnisstrafe geahndet werden. Für eine legale Suche in den Telefondaten müsste zuvor ein Terrorismusverdacht bestätigt worden sein.