Die inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko ist aus Protest gegen die Abkehr der Ukraine von der EU in den unbefristeten Hungerstreik getreten. Ihr Anwalt Sergej Wlassenko verlas einen Brief, in dem Timoschenko mitteilte, sie wolle mit ihrem Streik Präsident Viktor Janukowitsch dazu bewegen, das Freihandels- und Assoziierungsabkommen mit der EU  doch noch zu unterzeichnen. Sie verstehe ihren Protest als Zeichen der Solidarität mit den Demonstrierenden, die sich seit Tagen in der Hauptstadt Kiew versammeln. Sinngemäß lautete der Inhalt ihres Briefs: "Ich beginne einen unbegrenzten Hungerstreik, um Janukowitsch aufzufordern, das Assoziierungs- und Freihandelsabkommen mit der EU zu unterzeichnen."

Am Freitag hatte Timoschenko dazu aufgerufen, gegen die ukrainische Regierung zu protestieren , die die Nähe Russlands sucht und die Abkehr vom EU-Kurs vorantreibt. Die Regierung unter dem russlandfreundlichen Präsidenten hatte am Donnerstag nur eine Woche vor der geplanten Unterzeichnung des Abkommens mit der EU die Vorbereitungen dazu abgebrochen. Zugleich kündigte die Regierung an, den "aktiven Dialog" mit Russland und anderen Mitgliedern der von Moskau geführten Zollunion wieder aufzunehmen.

Der Schritt der Regierung löste heftige Proteste der Opposition aus. Am Wochenende gingen Zehntausende Menschen auf die Straße, um Parlament und Regierung zum Festhalten an dem pro-europäischen Kurs zu drängen. Dabei kam es auch zu Zusammenstößen. Am Montag rief Janukowitsch zur Ruhe auf. "Ich will Frieden und Ruhe in unserer großen ukrainischen Familie", sagte der Präsident in einem Video. Auch nach der Ankündigung, das EU-Abkommen nicht zu unterzeichnen, sehe er sein Land weiterhin auf dem Weg, eine "Gesellschaft nach europäischen Standards" zu werden, sagte Janukowitsch in einer Fernsehansprache. Die Abkehr von der EU erfolge vielmehr aus wirtschaftlichen als aus ideologischen Gründen. Die Ukraine sei weiterhin ein Land, das den europäischen Werten verpflichtet sei. Dies sei stets seine Politik gewesen und werde es auch bleiben, teilte der Politiker mit. 

Die ehemalige ukrainische Präsidentin Julija Timoschenko war 2011 wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit Verträgen mit Russland zur Lieferung von Erdgas zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Westliche Regierungen sprachen von einem politischen Prozess. Bedingung des Freihandels- und Assoziierungsabkommens seitens der EU war die Ausreise Timoschenkos zum Zweck der medizinischen Behandlung gewesen. Timoschenko selbst hatte vergangene Woche mitgeteilt, sie werde auf eine Ausreise verzichten, sollte Janukowitsch das Abkommen doch noch unterzeichnen. Die Oppositionspolitikerin war in der Haft erkrankt .