Deutsche Hochschulen und Forschungsinstitute haben in den vergangenen Jahren aus dem Haushalt des US-Verteidigungsministeriums Förderung in Höhe von mehr als zehn Millionen Dollar – das sind rund 7,4 Millionen Euro – erhalten. Insgesamt hätten 22 Hochschulen und Forschungsinstitute in Deutschland davon profitiert, berichteten die Süddeutsche Zeitung und der Norddeutsche Rundfunk. Die Einrichtungen hätten dies bestätigt.

Geld des US-Militärs sei auch an Universitäten geflossen, die sich durch eine Zivilklausel zur friedlichen Forschung verpflichtet haben. So habe die Ludwig-Maximilians-Universität in München vom US-Verteidigungsministerium 2012 mehr als 470.000 Dollar erhalten, um militärische Sprengstoffe zu verbessern. Dabei ging es darum, Sprengstoff umweltverträglicher zu machen, schreibt die Zeitung: Das in Sprengstoff enthaltene Hexogen sei nierenschädigend, wenn es ins Blut gelangt – ein Problem etwa für Arbeiter, die Truppenübungsplätze von Bombenresten befreien. Der Münchner Öko-Sprengstoff wird nach Worten eines an der Forschung beteiligten Professors zu 80 Prozent militärisch genutzt.

Die Fraunhofer-Gesellschaft forschte dem Bericht zufolge für die US-Armee an Panzerglas und an Sprengköpfen, die Universität Marburg an Orientierungssystemen für Drohnen und präzisionsgelenkte Munition.

Andere Projekte beschäftigen sich mit Grundlagenforschung sowie mit sogenannter Dual-Use-Forschung, die zivil und militärisch genutzt werden kann. Wissenschaftler der Universität des Saarlandes erhielten im Januar 2013 mehr als 120.000 Dollar des Army Research Laboratory, um die mathematische Verarbeitung von Sprachstrukturen zu erforschen. Solche Modelle von Sprache könnten beispielsweise in die Entwicklung von Abhörtechnologie einfließen. An der Universität Frankfurt am Main finanzierte das Department of the Air Force mit knapp 160.000 Dollar die Untersuchung von Erdbeben im Iran.

Einen Verstoß gegen ihre Zivilklauseln sehen die Hochschulen offenbar nicht. So erklärte die Universität Bremen, ein US-finanziertes Satellitenforschungsprojekt diene der Grundlagenforschung und sei mit der Zivilklausel vereinbar.

Seit dem Jahr 2000 waren laut SZ mindestens 18 deutsche Hochschulen an Forschungsprojekten beteiligt, die das Pentagon bezuschusst hat. Die Verträge seien im Federal Procurement Data System einsehbar, einer  öffentlichen US-Datenbank für Staatsaufträge, die 3.000 Dollar übersteigen. Sie haben den Angaben zufolge ein Gesamtvolumen von mehr als 9,4 Millionen Dollar. Ein Max-Planck-Institut, die Fraunhofer-Gesellschaft, das Alfred-Wegener-Institut und ein Leibniz-Institut erhielten Mittel des US-Verteidigungsministeriums in Höhe von zusammen 1,1 Millionen Dollar.

SPD, Grüne und Linke fordern Transparenz

SPD, Grüne und Linke im Bundestag forderten im Sender NDR Info, alle Kooperationen transparent zu machen. "Hochschulen sind staatliche Einrichtungen", sagte der hochschulpolitische Sprecher der SPD, Swen Schulz. "Wenn sie Drittmittel einwerben und Kooperationen eingehen, dann hat die Gesellschaft ein Recht zu erfahren, mit wem sie kooperieren, was gemacht wird und wie viel Geld fließt."

Das bayerische Wissenschaftsministerium teilte laut SZ mit, es sei zu begrüßen, wenn die Unis Drittmittel bekämen. Das Einwerben von Geld speziell beim US-Ministerium werde allerdings nicht eigens gefördert, noch gefordert.