Den Roman "Ender’s Game" las ich, als ich ein kleiner Junge war. Und zwar ein schmächtiger, Brille tragender Junge. Er traf wie die Faust aufs Auge: "Ender's Game" handelt nämlich vom "Bullying" – also wenn schmächtige, Brille tragende Jungs von großen, bulligen Jungs immer wieder malträtiert werden.

Wie mir ging es wohl sehr vielen amerikanischen Kindern, denn das Buch war ein Riesenhit. Kein Wunder, denn im Roman wird der Junge Ender Wiggen vom Bullyopfer zum Boss über die Bullys – und dann noch viel mehr, vielleicht zu viel mehr.

Als ich vergangene Woche die Verfilmung mit Harrison Ford und dem schmächtigen, viel zu ernsthaft wirkenden Asa Butterfield sah, fragte ich mich, ob die Geschichte wirklich nur vom "Bullying" handelt. Es ist nämlich auch möglich, ihn anders zu sehen: als eine Parabel auf den gesamten Werdegang Amerikas. (Achtung, um das zu erklären, muss ich auch das Ende des Films verraten!)

"Ender’s Game" spielt in einer stark militarisierten Zukunft nach einer gescheiterten Alieninvasion. Die Menschheit bereitet sich auf die nächste Attacke vor, diesmal will man den Aliens auf Augenhöhe begegnen. Dafür bildet das Militär ausgerechnet junge Menschen zu Feldherren aus, denn sie haben noch den beweglichen Geist, der dafür nötig ist.

Ender Wiggin ist einer von ihnen. Von den Größeren wird er ständig gehänselt. Dabei lernt er, obwohl er schwächer ist, die Umstände zu seinem Vorteil zu nutzen: Statt Mann gegen Mann zu kämpfen, lockt er seinen Gegner in den Waschraum und wehrt ihn mit dem viel zu heißen Wasser ab. Und als sein Gegner am Boden liegt, hört Ender nicht auf: Er tritt so lange auf ihn ein, bis der Bully ernsthaft verletzt wird. Aus Hass und Rache? Nein, sagt er, aus Selbstschutz: damit der Größere sich in Zukunft nicht noch einmal traut, ihn anzugreifen.

Auch im taktischen Training erweist sich Ender als radikal: Um ein Ziel zu erreichen – das Tor des Gegners, zum Beispiel – opfert er seine Teammitglieder. Am Ende haben sie gewonnen, sind aber alle tot. Alles nur ein Spiel, also nicht so schlimm. Außerdem hat Ender sein Ziel erreicht. Das ist es doch wert?