Der amtierende Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) will in Genf an den laufenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm teilnehmen. Seine Kollegen aus Frankreich, Großbritannien und China haben ebenfalls angekündigt, am heutigen Samstag persönlich zu den Gesprächen zu erscheinen. Auch US-Außenminister John Kerry ist am Samstag in Genf eingetroffen. Mit der Anreise der Außenminister der 5+1-Staaten kommt Bewegung in die Verhandlungen im jahrelangen Konflikt um das iranische Atomprogramm. 

Aus den Delegationen verlautete am Freitag Optimismus, dass in Genf eine Vereinbarung erzielt werden könnte. Ein hochrangiger EU-Diplomat hatte gesagt, die Außenminister würden nur anreisen, wenn ein Abkommen unterschriftsreif sei.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow war bereits am Freitag völlig überraschend in Genf eingetroffen. Er traf sich mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sowie dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Lawrow sehe bei den Verhandlungen um das umstrittene iranische Atomprogramm eine "reale Chance" für eine Einigung, teilte das russische Außenministerium am Samstag nach dem Treffen mit. Bei den Gesprächen sei es besonders um konkrete Details gegangen, die bisher einen Durchbruch verhindert hätten. Die Gespräche hätten ihren "finalen Moment" erreicht, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei, am frühen Samstagmorgen der Agentur Xinhua zufolge.

Nach Angaben aus diplomatischen Kreisen könnte es sich bei einer Einigung um eine sechsmonatige Zwischenlösung handeln. Dabei werde der Iran einige Teile seines Atomprogramms aufgeben, einschließlich der Urananreicherung auf 20 Prozent, sowie den Bau eines Schwerwasserreaktors. Im Gegenzug soll es bei den wirtschaftlichen Sanktionen Lockerungen geben. Dem Vernehmen nach geht es dabei um eine Aufhebung der Bankensanktionen und Teile des Ölembargos. 

Diplomat: Bei Hauptpunkt Uran Fortschritte gemacht

Teheran pocht auf das Recht eines zivilen Nuklearprogramms. Viele Länder haben aber den Verdacht, dass der Iran unter diesem Deckmantel nach Atomwaffen herstellt. "Wir sagen nur, dass die Einstellung der Urananreicherung unsere rote Linie ist", sagte der iranische Vizeaußenminister Madschid Tachte Rawanchi. Ein Diplomat sagte jedoch am Freitagabend, Sarif und Ashton hätten bei dem Hauptpunkt, Irans Anspruch, selbst Atombrennstoff durch Urananreicherung zu erzeugen, Fortschritte gemacht.

Die letzte Runde der Atomgespräche hatte am 10. November ohne Einigung geendet, obwohl die Chefdiplomaten aller Verhandlernationen – mit Ausnahme Chinas, das seinen Vizeaußenminister entsandte – angereist waren. Bis kurz vor Ende des dritten Tages der aktuellen Verhandlungen hatte es nach einem erneuten Scheitern ausgesehen.