Der rechtskonservative japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat den Yasukuni-Schrein für die Kriegstoten besucht und damit Protest in China ausgelöst. In dem Heiligtum unweit des Kaiserpalastes in Tokio werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Abe ist der erste japanische Ministerpräsident, der seit 2006 dort gebetet hat.

Abes Besuch im Yasukuni-Schrein fällt in eine Phase erhöhter Spannungen zwischen Japans und Chinas wegen des Streits um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Der Sprecher von Chinas Außenministerium, Qin Gang, sagte: "Wir protestieren und verurteilen das Vorgehen der japanischen Führung." Der Besuch führe zu großen Problemen für die Beziehungen zwischen beiden Ländern. 

Das chinesische Außenministerium nannte das Vorgehen von Abe "absolut inakzeptabel für die chinesische Bevölkerung". Der Besuch füge den "Gefühlen der Menschen in Asien großen Schaden zu", teilte das Ministerium am Donnerstag mit.  

Südkorea hat Abes Vorgehen scharf verurteilt. "Der Besuch ist ein anachronistisches Verhalten, das nicht nur die Beziehungen zwischen Südkorea und Japan, sondern auch die Stabilität und Kooperation in Nordostasien grundsätzlich beschädigt", sagte Kulturminister Yoo Jin Ryong. Um zum Weltfrieden beizutragen, müsse Japan zunächst Vertrauen mit seinen Nachbarn aufbauen, indem es sich kritisch mit seiner Vergangenheit auseinandersetze, statt sie zu verleugnen und "vergangene Aggression zu verherrlichen".

Abe will sich erklären

Abe sagte, er wolle die Gefühle des chinesischen und des südkoreanischen Volkes nicht verletzen. Er hoffe, er werde die Gelegenheit dazu haben, China und Südkorea dies zu erklären. "Japans Beziehungen zu China und Südkorea sind wichtig. Ich glaube, die Beziehung unerschütterlich zu machen, wäre im nationalen Interesse", sagte Abe.

Während seiner ersten Amtszeit 2006 und 2007 hatte Abe den Schrein nicht besucht, was er später als "äußerst bedauerlich" beschrieb. Zuletzt hatte der damalige Regierungschef Junichiro Koizumi am 15. August 2006 anlässlich des Jahrestages der japanischen Niederlage im Zweiten Weltkrieg den Schrein besucht.

Vor allem das Verhältnis Tokios zu Peking ist wegen eines Streits um eine Inselgruppe zurzeit angespannt. China verlangt, dass sich ausländische Flugzeuge in einer Ende November errichteten Identifikationszone zur Luftverteidigung (ADIZ) anmelden, identifizieren und den Anweisungen seiner Luftwaffe folgen.

Die Lage in dem Gebiet ist gefährlich, weil sowohl Japan als auch China Ansprüche auf die Inselgruppe erheben, die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannt wird und praktisch unter japanischer Verwaltung steht. Weil Peking nicht nachgeben will und Japan die Zone ablehnt, besteht die Gefahr, dass es zu militärischen Zwischenfällen oder Unfällen im Luftverkehr kommt.