Die ägyptischen Behörden haben die islamistische Muslimbruderschaft offiziell als Terrororganisation eingestuft. Das gab der Minister für höhere Bildung, Hossam Eissa, im ägyptischen Staatsfernsehen bekannt.

Er sagte nach einer Kabinettssitzung in Kairo, dies habe Auswirkungen auf alle, die der Gruppe angehörten, die sie finanzierten und die ihre Aktivitäten unterstützten. Künftig seien alle Aktivitäten der Muslimbrüder verboten, auch Demonstrationen.

Ein Vertreter des Exekutivrats der Muslimbruderschaft, Ibrahim Munir, sagte in London, der Protest werde "selbstverständlich" weitergehen. Die Einstufung der Muslimbruderschaft als Terrororganisation durch die ägyptische Regierung sei ungültig.

Die Regierung macht die Muslimbrüder, denen auch der abgesetzte Präsident Mohammed Mursi angehört, für einen Anschlag im Norden des Landes verantwortlich, bei dem am Dienstag 16 Menschen getötet wurden. Regierungschef Hasim al-Beblawi nannte die Muslimbrüder bereits kurz nach dem Attentat eine "Terrororganisation".

Muslimbruderschaft verurteilt den Anschlag

Zu dem Anschlag hatte sich am Mittwoch die al-Kaida-nahe Gruppe Ansar Beit al-Makdis bekannt. Die Muslimbruderschaft hatte den Anschlag bereits am Dienstag verurteilt.

Die offizielle Einstufung als Terrororganisation erlaubt der vom Militär unterstützten Übergangsregierung ein härteres Vorgehen gegen die Gruppe und damit auch gegen die Anhänger des früheren Präsidenten Mohammed Mursi.

Ein Gericht in Kairo hatte die Bruderschaft im September für illegal erklärt und den Einzug ihres Vermögens verfügt. Das Urteil war im Vormonat von einem Berufungsgericht bestätigt worden. 

Die Muslimbruderschaft hatte von Juni des Vorjahres bis zum letzten Juli in Ägypten regiert, nachdem sie die ersten Parlaments- und Präsidentenwahlen nach dem Umsturz von 2011 gewonnen hatte. Am 3. Juli hatte das Militär den aus der Bruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi nach Massenprotesten gegen seinen Herrschaftsstil abgesetzt.

Mursi und praktisch die gesamte Führung der Bruderschaft sind seitdem in Haft. Gegen sie werden Prozesse geführt beziehungsweise vorbereitet, in denen ihnen die Tötung von Demonstranten, Landesverrat und Terrorismus vorgeworfen werden. Für diese Vergehen droht in Ägypten die Todesstrafe.