Es ist wie eine Rückkehr zu den Gründungstagen unter Bill Clinton. 1997 initiierte der US-Präsident als Reaktion auf die Asienkrise die G-20-Gipfel, 2014 nun wird Australien diese Runde führen. Ökonomisch fand die Asien-Pazifik-Region damals aus der Krise, heute ist sie Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Rund 4.000 Delegierte aus Politik und Wirtschaft und 3.000 Medienvertreter werden 2014 deswegen nach Australien reisen. Jahrelange diplomatische Bemühungen haben Australien die neugewonnene Führungsrolle verschafft.

Das hat das Land vor allem dem früheren Premier Kevin Rudd von der Australian Labor Party (ALP) zu verdanken. Nicht einmal Rudds konservativer Nachfolger im Amt, Tony Abbott, würde das bestreiten. Als Rudd nach der im September verlorenen Parlamentswahl sein Abgeordnetenmandat zurückgab, würdigte die neue Regierung dessen internationales Wirken mit Nachdruck. Seit seiner Studienzeit in Taiwan und seinem Eintreten für Menschenrechte in China ist Rudd mit Bill und Hillary Clinton befreundet. Der frühere Diplomat in Peking spricht fließend Mandarin, er gilt als Brückenbauer der Weltpolitik und zählte als Regierungschef zu den engsten Vertrauten von Barack Obama.

Während Vorgänger John Howard Australiens damalige politische Abstinenz noch als "herrliche Abgeschiedenheit" (splendid isolation) pries, warb Rudd seit 2007 für mehr Weltoffenheit, indem er unter anderem Australiens Blockade des Kyoto-Protokolls mit seiner Unterschrift beendete. Kühn dachte er über eine asiatisch-pazifische Staatengemeinschaft nach dem Vorbild der EU nach, die Wirtschaftswachstum schaffen und Territorialkonflikte in Südostasien beilegen sollte.

17.000 Bootsflüchtlinge "eine nationale Katastrophe"

Doch Rudds diplomatische Fußstapfen waren vielen Landsleuten in dem bis dahin mit diesen Themen recht sorglosen Australien wohl zu groß. Außenpolitisch fängt das Land nun wieder bei null an. Politischen Zündstoff in der Region birgt vor allem das Drama um Bootsflüchtlinge auf dem Indischen Ozean. Abbotts kompromissloses Vorgehen in dieser Frage wirkt wenig durchdacht und gefährdet die bislang guten Beziehungen zu Indonesien, dem islamisch geprägten Nachbarland mit rund 250 Millionen Einwohnern. Das Inselreich, das ebenfalls zum elitären Kreis der G 20 zählt, leistet seit Jahren mit hohen Wachstumsraten Vorschub für den wirtschaftlichen Boom in Asien-Pazifik.

Während zuletzt jährlich bis zu 500.000 Menschen aus aller Welt nach Australien einwanderten, sind 17.000 Bootsflüchtlinge aus Indonesien, die 2012 australische Gewässer erreichten, für Abbott "eine nationale Katastrophe". Ohne vorherige Absprache mit Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verkündete er, Flüchtlinge auf hoher See künftig mithilfe der australischen Küstenwache zur Rückkehr zu zwingen. Als sich Abbott zudem weigerte, eine Entschuldigung für Spionageaktionen des australischen Geheimdienstes abzugeben, setzte Yudhoyono die militärische Zusammenarbeit auf unbestimmte Zeit aus.

Auch in anderen südostasiatischen Ländern sowie auf dem indischen Subkontinent droht durch das zuweilen von Geschäftsinteressen geprägte Vorpreschen Australiens Ungemach. Ein von der Abbott-Regierung mit Indien ausgehandelter Vertrag über Uranlieferungen kompromittiert internationale Sicherheitsbemühungen. Indien weigert sich mit Nachdruck, dem internationalen Atomwaffensperrvertrag beizutreten. Australische Standards, schärfer als die der International Atomic Energy Agency (IAEA), haben Lieferungen bislang unmöglich gemacht. Mit Abbott ist nun erstmals ein australischer Regierungschef bereit, diese Standards zu unterlaufen.

Internationale Kooperation oder Konfrontation? Australien, so scheint es, kann sich in dieser Frage nicht recht entscheiden. Tony Abbott hat jüngst in vielen Fragen von Kooperation auf Konfrontation umgestellt. Noch stärker als sein Ziehvater John Howard setzt Abbott auf den Ausbau der schon heute milliardenschweren Rohstoffindustrie. Einerseits, um teure Wahlversprechen über den Staatshaushalt finanzieren zu können. Andererseits, um Wirtschaftskompetenz zu beweisen. 23 Millionen Australier verfügen derzeit über ein jährliches Bruttoinlandsprodukt (BIP) von mehr als einer Billion Euro – das Land steht auf Platz zwölf auf der Liste der größten Industrienationen.