In Paris haben zehntausende Demonstranten gegen die Steuerpolitik der Regierung von Staatschef François Hollande protestiert. Nach Angaben der Organisatoren des Marsches der Linksfront beteiligten sich rund 100.000 Demonstranten, die Polizei machte keine Angaben zur Teilnehmerzahl. "Gegen Steuerungerechtigkeit, das Kapital besteuern, nein zur Erhöhung der Mehrwertsteuer" stand auf einem Transparent, das an der Spitze des Demonstrationszuges Richtung Finanzministerium in die Höhe gehalten wurde.

Vorneweg marschierten die Vizechefs der Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon und Martine Billard. Bereits am Samstag hatten Lkw-Fahrer landesweit gegen eine Erhöhung der Ökosteuer für Lastwagen protestiert. Auch in der Bretagne hatte eine radikale Gruppe von Farmern und Lebensmittelproduzenten – die sogenannten Rotmützen (Bonnets Rouges) gegen den wirtschaftlichen Niedergang der Region demonstriert.

In Frankreich gibt es derzeit breiten Unmut über eine als zu hoch empfundene Steuerlast. Fast täglich demonstrieren einzelne Berufsgruppen gegen bestimmte Steuern oder die Steuerpolitik generell. Die wachsenden Proteste setzen die Regierung unter Druck. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich ist so hoch wie seit 16 Jahren nicht mehr, die Zustimmungswerte für Hollande sind niedrig.

An den Protesten gegen die umstrittene Öko-Maut hatten sich laut dem französischen Innenministerium 2.200 Lkw-Fahrer beteiligt. Die Transportgewerkschaft gab die Zahl mit 4.500 an. Auf der Autobahn vom Pariser Stadtgebiet zum Flughafen Charles de Gaulle hielten rund 60 Lastwagen den Verkehr auf. An den Protesten in der Bretagne nahmen 17.000 Menschen teil. Die Veranstalter sprachen sogar von 40.000 Teilnehmern. 

Nach den ursprünglichen Plänen sollte die Ecotaxe auf National- und Landstraßen von 2014 an für alle Transportfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen gelten. Am Freitag verkündete Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll, dass die Öko-Maut frühestens 2015 eingeführt würde. Die Proteste im Land gelten auch als Ausdruck einer tiefen Verärgerung über die Wirtschaftspolitik der sozialistischen Regierung, die Haushaltsdefizite vor allem mit Steuererhöhungen ausgleichen will.