Mit großen Hoffnungen ist der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch nach Moskau gereist: Sein Land benötigt nicht nur neue Milliardenkredite, es zahlt auch für russisches Gas viel höhere Preise als andere Staaten der EU. Bei beiden Punkten gab es beim Treffen im Kreml eine Einigung: Die staatlichen Energiekonzerne beider Länder, Gazprom und Naftogaz, hätten ein Abkommen über niedrigere Preise für den Gasexport in die Ukraine unterzeichnet, sagte Putin. Für 1000 Kubikmeter Gas müsse die Ukraine fortan einen Preis von umgerechnet rund 195 Euro zahlen, zuvor waren es etwa 291 Euro.

Nach Putins Worten will Russland außerdem umgerechnet knapp elf Milliarden Euro in ukrainische Staatsanleihen investieren. Über einen möglichen Beitritt Kiews zu der von Moskau angeführten Zollunion, den die ukrainische Opposition fürchtet, sei hingegen während des Treffens nicht gesprochen worden, sagte Putin. Da könne er "jeden beruhigen", sagte Putin.

Beide Staatschefs hatten sich zuvor versichert, künftig eng zusammenzuarbeiten und ihre Partnerschaft weiter zu intensivieren. Nach Angaben des Kremls würden  mehrere bilaterale Abkommen unterzeichnet. 

Russland bereitet nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters weitere konkrete Maßnahmen vor. Händler sagten, dass nach drei Jahren Unterbrechung eine Wiederaufnahme russischer Öllieferungen an eine Raffinerie im ukrainischen Odessa vorgesehen sei. Sie beriefen sich auf vorläufige russische Ölexportpläne für das erste Quartal 2014. Demnach könnten 750.000 Tonnen Öl im Wert von etwa 600 Millionen Dollar per Pipeline an die Raffinerie gepumpt werden. Der Plan müsse aber noch vom Energieministerium in Moskau genehmigt werden.

Klitschko hofft auf Hilfe von Deutschland

Der ukrainische Oppositionspolitiker Vitali Klitschko drohte im Falle der Unterzeichnung von Abkommen zwischen Kiew und Russland mit Massenprotesten neuen Ausmaßes. "Wenn sich Janukowitsch auf einen Deal mit Russland einlässt, werden wir mit unseren Demonstrationen das ganze Land lahmlegen", sagte Klitschko der Bild. Er fordert den neuen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zur Vermittlung in dem Konflikt auf. 

In Kiew rief die Opposition zu neuen Massendemonstrationen auf. Die Regierungsgegner fordern einen Westkurs ihres Landes. Sie fürchten, dass Janukowitsch in Moskau eine noch engere Zusammenarbeit mit dem Nachbarn besiegelt. Die Kundgebungen hatten begonnen, nachdem der Präsident Ende November die Unterzeichnung eines weitreichenden Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union verweigert hatte.