In einer Volksabstimmung haben die kroatischen Wähler entschieden, das christliche Ehemodell in der Verfassung festzuschreiben. Das gab die Wahlkommission in Zagreb nach der Auszählung der Stimmen aus etwa einem Drittel der Wahllokale bekannt.

Zur Abstimmung stand die Frage: "Stimmen Sie zu, dass die Ehe eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ist?" Nach dem vorläufigen Ergebnis stimmten fast 65 Prozent der Wähler mit "Ja", etwa 35 Prozent stimmten dagegen. Im Ergebnis wird nun die Verfassung so geändert, dass gleichgeschlechtliche Ehen ausgeschlossen werden.

Die Wahlbeteiligung lag auf einem historisch niedrigen Stand. Lediglich 36 Prozent der Bürger nahmen an dem Referendum teil. Eine Mindestwahlbeteiligung war nicht erforderlich.

Ein Sieg für die katholische Kirche

Das Referendum in dem jüngsten EU-Mitgliedsland war von der konservativen Bürgerinitiative Im Namen der Familie angestrengt worden, die dafür 700.000 Unterschriften gesammelt hatte. Die katholische Kirche, der fast 90 Prozent der 4,2 Millionen Kroaten angehören, hatte dazu aufgerufen, für die Verfassungsänderung zu stimmen.

Die Mitte-Links-Regierung lehnte die Initiative dagegen als diskriminierend ab. Sie will eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare einführen und hat bereits einen Gesetzesentwurf angekündigt.

"Trauriges und sinnloses Referendum"

Das Referendum sei "traurig und sinnlos", sagte Regierungschef Zoran Milanovic nach seiner Stimmabgabe. "Ich hoffe, dies ist das letzte Referendum über Themen, die den persönlichen Bereich der Familien betreffen, in den niemand eindringen sollte." 

Am Samstag hatten in Zagreb noch etwa Tausend Menschen gegen die Abstimmung demonstriert. Zahlreiche prominente Künstler und Wissenschaftler hatten das Referendum als Verstoß gegen die Menschen- und Minderheitenrechte kritisiert.  

Die Verankerung des christlichen Ehemodells in der Verfassung ist auch ein Erfolg der Rechtspopulisten. Die Nationalisten in der ostkroatischen Stadt Vukovar kündigten kurz darauf bereits eine neue Volksabstimmung an. Nach eigenen Angaben haben sie genügend Unterschriften gesammelt, um die kyrillische Schrift und die Sprache der serbischen Minderheit im Land praktisch zu verbieten.