Bundeskanzlerin Angela Merkel will den ukrainischen Oppositionspolitiker Vitali Klitschko durch gemeinsame Auftritte stärken. Das habe Merkel zusammen mit dem europäischen Verbund konservativer Parteien (EVP) beschlossen, berichtet der Spiegel unter Berufung auf Kreise der Bundesregierung und der EVP.   

Man wolle den Profiboxer zum Oppositionsführer und Gegenkandidaten von Präsident Viktor Janukowitsch aufbauen. Dem Bericht zufolge ist geplant, dass Klitschko zum nächsten Treffen der EVP-Staats- und Regierungschefs in Brüssel Mitte Dezember eingeladen wird. Es solle einen gemeinsamen Auftritt für die Öffentlichkeit geben.   

Klitschkos Partei Udar erhalte bereits logistische Unterstützung von der EVP und der Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU. Unter anderem seien Udar-Parlamentarier und deren Mitarbeiter geschult worden.  

Zuletzt hatten Merkels außenpolitischer Berater Christoph Heusgen, Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Außenminister Guido Westerwelle mit Klitschko über mögliche Unterstützungen gesprochen. Der Europaabgeordnete Elmar Brok von der EVP war am Samstag auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew aufgetreten. Er forderte die ukrainische Führung zu einem proeuropäischen Kurs auf.

Massenproteste in Kiew

Auch am Sonntag protestieren in Kiew mindestens Hunderttausend Menschen gegen die Regierung Janukowitsch. Klitschko hatte die Regierungsgegner am Vorabend noch einmal zu einer regen Teilnahme aufgerufen.  

"Mehr als eine Million Menschen müssen Präsident Viktor Janukowitsch klarmachen, dass er unsere Bedingungen erfüllen muss", sagte er. Dazu gehören sofortige Neuwahlen und die Freilassung der inhaftierten Politikerin Julija Timoschenko. "Wer nicht in einem Polizeistaat leben will, sondern in einem modernen Land, sollte nicht gleichgültig bleiben", sagte Klitschko.  

Die Demonstration steht unter dem Motto "Marsch der Million". Die Opposition gab die Zahl der Teilnehmer zunächst mit mindestens 500.000 an. Beobachter sprachen von etwa 100.000 Menschen kurz nach Beginn der Kundgebung. Bei eisigen Temperaturen auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) der Hauptstadt schwenkten die Demonstranten auch EU-Fahnen und sangen die ukrainische Hymne.  

Janukowitsch hatte ein Abkommen über eine engere Zusammenarbeit mit der Europäischen Union gestoppt und zuletzt mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin über billigere Gaslieferungen verhandelt. Das Innenministerium in Kiew warnte vor "Provokationen" gegen die Sicherheitskräfte. Ausschreitungen würden streng bestraft.