Das Geil-o-Mobil verfolgt Sebastian Kurz auf Schritt und Tritt. Die politischen Jugendsünden des neuen österreichischen Außenministers sind nicht auf verwackelten Bildern aus den siebziger Jahren dokumentiert, sondern noch frisch im Gedächtnis. Vor drei Jahren kurvte Kurz im Wiener Gemeinderatswahlkampf, begleitet von halbnackten Frauen, in einem protzigen schwarzen Hummer-Geländewagen durch die Stadt und verteilte Gratiskondome. Das Motto: "Schwarz macht geil". Spott und Häme waren dem Jura-Studenten gewiss. Und die verunglückte Kampagne begleitet ihn bis heute. Nun wird der 27-jährige ÖVP-Politiker Außenminister – der jüngste Amtsinhaber in der EU – und soll so ganz nebenbei die eigene Partei retten.

Es ist der zweite Karrieresprung des Wieners innerhalb kurzer Zeit. Im April 2011 wurde er überraschend zum Staatssekretär für Integration ernannt. Die Kommentatoren schäumten. Ein "Schnösel" sei er, hieß es, zu jung und zu unerfahren für ein Regierungsamt. Eine "Verarschung" nannte die Tageszeitung Der Standard die Personalie und die ZEIT beschrieb ihn als "Dampfplauderer".

Konsequent arbeitete Kurz an seinem Ruf, gab sich betont bodenständig und entpuppte sich als Meister im Umgang mit Symbolen. Er führte Welcome Desks sowie Mentoringprogramme für Zuwanderer ein und galt rasch als einer, der zuhören kann und nicht beratungsresistent ist. Wer den Staatssekretär in seinem Büro besuchte, wurde oft von ihm persönlich am Aufzug abgeholt und saß anschließend in einem schmucklosen Zimmer mit Linoleumboden – bewusst habe er auf prunkvolle Räumlichkeiten verzichtet, sagte er. In seinen öffentlichen Auftritten wirkte er rhetorisch versiert, frisch und spontan; selbst dem eigenen Parteichef stahl er bisweilen die Show.

Heikle Themen wurden umschifft. Rassismus? Darüber verlor er kein Wort. Das immer rigider werdende Asylgesetz? Gehe ihn nichts an, er sei für jene da, die legal in Österreich leben. Die hohle Phrase "Integration durch Leistung" wurde zu seiner Losung.

Peinliche Ausrutscher passierten ihm aber nicht mehr, auf "geilen" Sprech verzichtete er völlig. Aus dem belächelten Jungspund wurde in Rekordzeit die Zukunftshoffnung der konservativen ÖVP. In Beliebtheitsrankings ließ er Parteikollegen weit hinter sich und staubte bei den Nationalratswahlen 35.700 Vorzugsstimmen (vergleichbar mit den deutschen Direktstimmen) ab – weit mehr als jeder andere Kandidat.

Dass er in der neuen Regierung zu höheren Weihen gelangen wird, galt als fix. Dass es das Außenamt wird, ist konsequent, trotz der erneut kritischen Kommentare zu seiner Person. Denn wie im Staatssekretariat (dessen Agenden er in die neue Funktion mitnimmt) kommt man in der österreichischen Außenpolitik schwerlich in die Verlegenheit, politisch gestalten zu müssen. Da wie dort sind Inhalte Nebensache. Die österreichische Außenpolitik ist zu unwichtig, zu wenig präsent.