Der nächtliche Einsatz der ukrainischen Polizei gegen prowestliche Demonstranten in Kiew hat scharfe Kritik hervorgerufen. Die US-Regierung sei "angewidert" von der Entscheidung der ukrainischen Behörden, mit Spezialeinheiten, Bulldozern und Schlagstöcken gegen friedliche Demonstranten vorzugehen, sagte US-Außenminister John Kerry. Dies sei "weder akzeptabel noch ziemt es sich für eine Demokratie".

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die das Zentrum der Protestbewegung in Kiew – den Unabhängigkeitsplatz Maidan – nur Stunden vor dem Polizeieinsatz besucht hatte, reagierte "mit Trauer" darauf, dass die Polizei Gewalt einsetze, "um friedliche Menschen zu vertreiben". Es wäre nicht nötig gewesen, "dass die Behörden im Schutze der Nacht handeln", erklärte Ashton. Die EU-Delegation in Kiew erklärte, sie versuche Kontakt zu den ukrainischen Behörden aufzunehmen, um "den Einsatz von Gewalt gegen einfache Bürger" zu verhindern.

Schwedens Außenminister Carl Bildt zeigte sich "sehr besorgt" über die Ereignisse. "Repression ist kein Weg für die Ukraine – Reformen sollten einer sein", schrieb er auf Twitter.

Spezialeinheiten hatten in der Nacht den Unabhängigkeitsplatz gestürmt, Barrikaden geräumt und Zelte abgerissen. Auf dem Platz ausharrende Demonstranten wurden mit Schilden abgedrängt. Laut dem Führer der nationalistischen Swoboda-Partei, Oleh Tjahnibok, wurden mehrere Demonstranten verletzt und mindestens elf festgenommen.

Der Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko forderte den sofortigen Rücktritt des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Klitschkos Partei Udar teilte mit, dass in der Nacht zehn Demonstranten festgenommen worden seien. Der Fernsehsender 5. Kanal sprach von mindestens einem Schwerverletzten. Klitschko rief seine Landsleute auf, sich den Protesten anzuschließen. "Wir sagen Nein zum Polizeistaat, Nein zur Diktatur", rief er der Menge auf dem Platz zu. Hunderte folgten seinem Aufruf und strömten auf den Platz.


Einige Protestler skandierten Parolen wie "Schämt euch!" und "Wir bleiben stehen!" und stimmten die ukrainische Nationalhymne an. Vor Ort war auch ein orthodoxer Priester, er betete mit den Demonstranten. Zahlreiche Demonstranten hielten weiterhin das Rathaus besetzt. Sie besprühten die Eingangsstufen mit Wasser, damit sich Eis bildet. Sie hoffen, dass das die Polizei vom Sturm auf das Gebäude abhält.