Politik in Israel funktioniert nach eigenen Regeln, das wissen wir nicht erst, seitdem es den Siedlungsbau und die Zwei-Staaten-Idee gibt. Gerade konservative Parteien müssen immer auch Interessen streng gläubiger Wähler beachten. Da kann die Liebesbeziehung eines Politiker-Sohnes zu einer Staatsaffäre avancieren, wenn wichtige oder weniger wichtige Fragen des Judentums berührt werden. Dabei war Ministerpräsident Benjamin Netanjahu doch offenbar ganz angetan von der Tatsache, dass sein Sohn Jair nun mit einer jungen Frau aus Norwegen liiert ist, die derzeit in Israel studiert.  

Er versuchte dies jedenfalls nicht geheim zu halten. Im Gegenteil: Nicht ohne Stolz berichtete er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos seiner norwegischen Kollegin Erna Solberg, dass sein Sohn und dessen Freundin kürzlich in Norwegen Urlaub gemacht hätten. Die Osloer Presse griff die Vorlage dankbar auf und berichtete auf den Klatschseiten ausführlich über die neue Liebschaft des Premierminister-Sohnes. Soweit also alles wie zu erwarten.

Wenige Tage später aber meldeten sich in Israel gleich mehrere konservative Politiker zu Wort, für die eine solche Liaison ganz und gar nicht Privatsache ist, sondern von Interesse für das Wohl des Staates Israel. Schließlich ist die junge Dame keine Jüdin. Und das ist: "ein großes Problem", sagte etwa der Abgeordnete Nissim Seev von der ultraorthodoxen Schas-Partei der Jerusalem Post. Netanjahu müsse als Regierungschef "nationale Verantwortung zeigen".  

"Sehr unglücklich"

Vorwürfe machten dem Premier auch Politiker aus den eigenen Reihen: Mosche Feiglin von Netanjahus rechtskonservativer Likud-Partei bezeichnete die Beziehung als "sehr unglücklich". Die extremistische Organisation Lehava, die eine "Assimilierung im Heiligen Land" verhindern will, rief Netanjahu gar auf, seinem Sohn die Beziehung zu verbieten. Andernfalls würden die Enkel des Regierungschefs "nicht jüdisch sein", sagte Lehava-Chef Benzi Gopschtain. Dass es in Israel keine Erbmonarchie gibt, ließ Gopschtain offenbar außer acht.

Dabei hat Netanjahu schon früher gezeigt, dass er es mit der Religion nicht ganz so genau nimmt, auch wenn er dem nationalkonservativen Likud-Block angehört, der es als seine Pflicht ansieht, die Einheit des jüdischen Volkes zu pflegen. Netanjahu nämlich war von 1981 bis 1984 selbst mit einer nicht-jüdischen Frau verheiratet, der Britin Fleur Cates. Sein Sohn Jair allerdings entstammt nicht aus dieser Ehe.

Ultrakonservative und ultraorthodoxe Juden dürften dies als dunkle Episode in der Vita Netanjahus begreifen, seine Abkehr aber hat ihn offenbar rehabilitiert und ihn für einen großen Teil der Bevölkerung wieder wählbar gemacht. Auch für die Freundin des Sprösslings halten sie eine Lösung des Problems bereit: einen Wechsel zum Judentum.