China verweist einen ausländischen Journalisten des Landes. Trotz Intervention der US-Regierung muss der Pekinger Korrespondent der New York Times, Austin Ramzy, ausreisen. Sein Visum wird nicht verlängert. Diplomaten werteten das als Vergeltungsaktion für die Enthüllungen der New York Times über die Reichtümer der Familie des früheren Ministerpräsidenten Wen Jiabao.

Ramzy ist der zweite Journalist der New York Times innerhalb von 13 Monaten, der China verlassen muss. Chris Buckley hatte nach ersten Berichten über das Vermögen der Verwandten des damaligen Premiers schon vor einem Jahr unter ähnlichen Umständen ausreisen müssen. Auch ihm war eine weitere Aufenthaltserlaubnis verweigert worden. Buckley berichtet inzwischen von Hongkong aus über China. Auch Ramzy soll in der Region für die New York Times tätig bleiben. 


Der Auslandskorrespondentenclub in China (FCCC) äußerte sein tiefes Bedauern über das Vorgehen. "Unter diesen Umständen lässt sich die Schlussfolgerung nicht vermeiden, dass die Behörden die New York Times für ihre Artikel über Premier Wen Jiabao und seine Familie bestrafen wollen", hieß es in einer Erklärung. "Ein solches Verhalten ist weit von internationalen Standards entfernt." 

Viele Journalisten haben Visaprobleme

Die US-Regierung hatte sich bis zuletzt auf hoher Ebene vergeblich für Ramzy eingesetzt. Bei seinem Besuch im Dezember in Peking hatte Vizepräsident Joe Biden dessen Fall zusammen mit den inzwischen gelösten Visaproblemen von mehr als zwei Dutzend anderer Korrespondenten der New York Times und der US-Nachrichtenagentur Bloomberg angesprochen. Die Agentur hatte über das Vermögen der Familie von Staatschef Xi Jinping berichtet.

Weder die Zeitung noch Bloomberg haben seit ihren ersten Enthüllungen über Chinas einflussreiche Familien 2012 freiwerdende Korrespondentenposten in China besetzen können. Ihre Websites sind in China blockiert. Seit fast zwei Jahren wartet auch der frühere China-Korrespondent Philip Pan auf die Möglichkeit, den Posten des Pekinger Bürochefs der New York Times übernehmen zu können.

Die harte Linie gegen beide US-Medienhäuser wurde als Versuch der Einschüchterung ausländischer Journalisten gewertet. "Die Botschaft für alle ausländischen Journalisten ist klar: Berichte über die persönlichen Aktivitäten hoher Führer sind nicht erlaubt", sagte Paul Mooney, ein langjähriger China-Korrespondent, dem im vergangenen Jahr eine Akkreditierung für Reuters verweigert worden war.