Das irakische Militär forciert ihre Offensive gegen Extremisten in der umkämpften Provinz Anbar. Bei einem Luftangriff der Regierungstruppen kamen 25 Al-Kaida-Kämpfer ums Leben. Die Attacke habe einer Kommandozentrale der Extremisten am Rande von Ramadi gegolten, der Hauptstadt der Provinz, sagte Armeesprecher Mohammed al-Askari. Die getöteten Kämpfer hatten sich demnach in der Basis verschanzt. Weitere Einzelheiten nannte Al-Askari nicht.

In der Provinz Anbar, die überwiegend von Sunniten bewohnt ist und an Syrien grenzt, sind Falludscha und Teile von Ramadi seit fast einer Woche in der Hand von Kämpfern des Al-Kaida-Ablegers Islamischer Staat im Irak und in der Levante (Isil). Ihr Ziel ist es, im Irak und in Syrien einen Gottesstaat islamistischer Prägung zu schaffen. Irakische Truppen versuchen seitdem, mithilfe von Angehörigen sunnitischer Stämme, die Extremisten aus den strategisch wichtigen Städten zu drängen. 

Hierzu hat die irakische Armee bereits am Dienstag Panzer rings um Falludscha in Stellung gebracht. Politiker forderten die islamistischen Kämpfer auf, die Stadt zu verlassen, um einen Angriff der Soldaten abzuwenden. Unklar ist allerdings, wie lange die Armee mit ihrem Sturm auf Falludscha warten wird. "Wenn die Armee wegen einer Handvoll Al-Kaida-Leuten Falludscha angreift, dann wird das endlose Gewalt heraufbeschwören", warnte ein sunnitischer Stammesführer. "Unsere Botschaft an die Regierung ist klar: Kämpft weiter gegen Al-Kaida außerhalb Falludschas, und wir kümmern uns darum hier in der Stadt."

Bevölkerung soll mitkämpfen

Die schiitisch geführte irakische Regierung kam am Dienstag zu einer Krisensitzung zusammen. In einer Erklärung hieß es anschließend, die Militäroperation gegen die Extremisten gehe weiter, bis der Irak vom Terrorismus "gereinigt" sei. Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki rief außerdem alle Iraker dazu auf, alle Kräfte zu mobilisieren, um die Armee und die Sicherheitskräfte zu unterstützen, die "Terroristen zu vertreiben".

Unabhängig von den Kämpfen in Anbar gab es auch am Dienstag wieder mehrere Anschläge im Irak, die ebenfalls auf das Konto sunnitischer Extremisten gehen dürften. Durch die Detonationen – eine davon in Kirkuk, zwei in Bagdad – starben mindestens vier Menschen, mehr als 50 wurden verletzt.

Sunniten protestieren bereits seit Längerem wieder gegen die schiitisch geführte Regierung, von der sie sich ungerecht behandelt fühlen. 2013 kamen nach UN-Angaben 8.868 Menschen ums Leben und damit so viele, wie seit dem Höhepunkt der religiösen Gewalt 2007 nicht mehr.