Überblick der Ereignisse in der Ukraine am Donnerstag, 23. Januar:

  • Die Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition haben wenig gebracht. Der Präsident bot die Freilassung von gefangenen Demonstranten an. Dafür soll die Opposition bis Samstag friedlich bleiben. Enttäuschung bei den Demonstranten. Klitschko mahnt zur Ruhe, andere Oppositionsführer rufen zum Kampf auf.
  • Die Proteste weiten sich auf mehrere Regionen der Ukraine aus. In acht von 25 Bezirken gibt es Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.
  • Über aktuelle Entwicklungen berichtet aus Kiew unser Reporter Steffen Dobbert auf Twitter und hier

Dieser Blog ist nun geschlossen. Über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine berichten wir hier.

(07:08) Die Europäische Union bemüht sich um eine Vermittlung im Machtkampf in der Ukraine. EU-Erweiterungskommissar Štefan Füle reist heute zu Gesprächen nach Kiew. Er will sich mit Vertretern von Regierung und Opposition treffen. In der kommenden Woche wird die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton folgen.

(06:30) Vitali Klitschko hat die Demonstranten in der Nacht zu Ruhe gemahnt und zu einem "Waffenstillstand" aufgerufen. Gleichzeitig äußerte er die Sorge vor einer Eskalation. "Ich werde überleben, aber ich fürchte, dass es Tote geben wird. Davor habe ich Angst", sagte Klitschko.

Priester zwischen Demonstranten und Polizei © Steffen Dobbert

(00:52) Seine Finger sind bei Temperaturen von -16 Grad zu Eis gefroren, deshalb berichtet unser Reporter Steffen Dobbert am Telefon: Die Demonstranten und die Polizei stehen sich jetzt am Stadion, 700 Meter vom Maidan entfernt, gegenüber. Zwischen den Fronten beten Priester, einer steht auf einem ausgebrannten Bus. Die Stimmung ist beängstigend. Alle erwarten, dass es gleich los geht. Die Demonstranten stehen mit Knüppeln hinter einer Barrikade aus Eis, Autoreifen liegen zum Anzünden bereit. Derweil hat Klitschko sich mit seinen Beratern zurückgezogen.

(00:34) Auf Facebook hat sich Jurij Andruchowitsch zu den Protesten geäußert, er gehört zu den bekanntesten Schriftstellern des Landes. Andruchowitsch sagt, dass in der Ukraine Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gange seien. Die Ukrainer dürften jetzt nicht aufgeben: "Sonst erklären wir uns einverstanden mit einem Land in Form eines lebenslangen Gefängnisses."

(00:04) Auch die anderen beiden Oppositionsführer haben auf dem Maidan gesprochen. Anders als Klitschko bitten sie nicht um Geduld, sondern rufen die Demonstranten zum Kampf auf. Offensichtlich ist die Opposition jetzt gespalten, berichtet unser Reporter Steffen Dobbert aus Kiew. Die Demonstranten wollen jetzt den Maidan vergrößern und rücken in die umliegenden Straßen vor. Es wird eine lange Nacht in Kiew.

(23:38) Klitschko hat jetzt auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz, gesprochen. Er forderte die Demonstranten auf, geduldig zu sein: "Ich weiß, dass meine Rede euch enttäuschen wird", sagte er. Vor allem müsse jedoch verhindert werden, dass noch mehr Menschen sterben. "Ich fürchte mich davor, in die Augen der Mütter zu sehen und auf die Frage zu antworten, warum ihre Kinder starben." Klitschko gab zu, dass Janukowitsch in den Verhandlungen nicht bereit gewesen sei, zurückzutreten oder die Regierung abzuberufen. Deshalb forderte er die Ukrainer zu einem Generalstreik auf. Er schloss mit den Worten: "Ich bin bereit, mich zu opfern."

(22:48) Die Oppositionsführer haben mit Janukowitsch ein Zwischenergebnis ausgehandelt. Der Präsident soll zugesichert haben, 100 Gefangene der letzten Protesttage freizulassen. Im Gegenzug solle es bis Samstag keine militanten Proteste geben. Viele der Demonstranten sind von dem Ergebnis enttäuscht, berichtet unser Reporter Steffen Dobbert aus Kiew. Klitschko und die anderen Vertreter der Opposition werden ausgebuht.

(22:21) Die USA drohen, die EU wollen vermitteln: US-Vizepräsident Joe Biden hat Ukraines Präsident Janukowitsch dazu aufgefordert, die demokratischen Freiheiten zu schützen. Ein weiteres Blutvergießen werde Konsequenzen haben, teilte das Weiße Haus mit. Damit seien auch Sanktionen gemeint. Auch die Europäische Union will ihr Engagement verstärken. Schon am Freitag will EU-Erweiterungskommissar Štefan Füle nach Kiew reisen, um Gespräche mit den Konfliktparteien zu führen. Auch EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton will in den nächsten Tagen in die Ukraine reisen.

(22:03) Offenbar sind die Gespräche zwischen Präsident Viktor Janukowitsch und den Oppositionsvertretern beendet. Über die konkreten Ergebnisse ist nichts bekannt, allerdings laden die Äußerungen der Opposition zu Spekulationen ein. Arsenij Jazenjuk von der Partei Vaterland sieht eine "große Chance", die Krise ohne weiteres Blutvergießen zu beenden. Er hatte zusammen mit Vitali Klitschko und Oleh Tjagnibok von den Nationalisten mehrere Stunden mit Janukowitsch verhandelt.

(21:30)  In Kiew warten die Demonstranten weiterhin auf die Ergebnisse der Verhandlungen mit Janukowitsch. Von der Bühne auf dem Maidan wird durchgesagt, dass die Oppositionsführer bald erwartet werden. In anderen Städten wollen die Demonstranten nicht warten: Sie stürmen Rathäuser und Regierungsgebäude.

(21:08) Vielleicht entscheidet sich die Zukunft der Ukraine nicht in Kiew, sondern in der Provinz. In acht von 25 Regionen im Westen und der Mitte der Ukraine beginnen die Unterstützer des Euromaidan die Kontrolle zu übernehmen, erfuhr unser Reporter Steffen Dobbert. In fünf Regionen hat die Polizei den Widerstand aufgegeben, in prowestlichen Gebieten wie in Lwiw (Lemberg) oder Ternopil sollen die Beamten einfach ihr Einverständnis gegeben haben und die Rathäuser geräumt haben. In Tscherkassy, in der Mitte des Landes, sind einige Oppositionelle im Rathaus; sie sollen dort Gewalt angewendet haben.

(20:49) Das ukrainische Innenministerium hat sich für die Misshandlung eines Demonstranten durch die Polizei entschuldigt. Das Handeln sei "indiskutabel", heißt es in einer Erklärung. In einem von der Opposition verbreiteten Video wird ein nackter Mann geschlagen und gezwungen, mit den Polizisten zu posieren. Das Innenministerium habe eine Untersuchung des Vorfalls angeordnet.

(19:39) Auch wenn das Ultimatum abgelaufen ist, gibt es noch keine Ergebnisse der Gespräche zwischen Opposition und Präsident Janukowitsch. Der Abend in Kiew wird lang. "Ich glaube hier keinen Termin mehr", schreibt unser Reporter Steffen Dobbert.


(19:17)
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat heute mit Präsident Viktor Janukowitsch telefoniert. Sie hätten über "Möglichkeiten eines friedlichen Auswegs aus der politischen Krise" gesprochen, berichtete der Pressedienst des ukrainischen Präsidenten.

(18:17) Unser Reporter Steffen Dobbert berichtet, dass die Oppositionsführer um 19 Uhr deutscher Zeit auf dem Maidan sprechen werden. Dann endet auch das Ultimatum an Präsident Janukowitsch. Aber wahrscheinlich werde es – wie immer an diesen bewegten Tagen – später.