Seit Monaten steht die russische Regierung wegen des harten Vorgehens gegen Schwule und Lesben in der Kritik. Doch das Außenministerium verteidigt seine Position – und wirft der EU nun seinerseits "aggressive Propaganda homosexueller Liebe" vor. So steht es in einem am heutigen Mittwoch veröffentlichten Menschenrechtsbericht.

"Es gibt Versuche, anderen Ländern eine unangemessene Sicht von Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Ehen als Lebensnorm aufzuzwingen", heißt es darin weiter. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten versuchten, "ihre neoliberalen Werte als universellen Lebensstil in der gesamten Welt zu verbreiten".

Zudem wird ein "ständiges Wachstum von Ausländerhass, Rassismus, gewaltsamem Nationalismus, Chauvinismus und Neonazismus" in Europa konstatiert. Auch in Deutschland gebe es viele Mängel in Menschenrechtsfragen, etwa im Umgang mit Migranten und Flüchtlingen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte dem Westen bereits in Dezember in einer Rede an die Nation vorgeworfen, mit einer Abkehr von traditionellen Werten die gesellschaftliche Stabilität zu gefährden. In vielen Ländern werde verlangt, Gut und Böse als gleichberechtigt anzuerkennen.

Aktivisten in Sotschi beklagen zunehmenden Druck

In Russland ist es seit Juni 2013 bei Geldstrafe verboten, vor Minderjährigen zustimmend über Homosexualität zu sprechen. Das Gesetz hat international Kritik hervorgerufen. Aktivisten riefen dazu auf, die Olympischen Winterspiele in Sotschi im Februar zu boykottieren.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch teilte mit, Bürgerrechtler und Journalisten, die Missstände aufdecken wollten, würden vermehrt von Sicherheitskräften bedrängt. Je näher die Eröffnungsfeier in Sotschi rücke, desto stärker versuchten die Behörden, kritische Informationen zu unterdrücken. Aktivisten würden festgenommen, außerdem gebe es Verhöre und Hausbesuche.