Überblick der Ereignisse in der Ukraine am Sonntag, 26. Januar:

  • Auf dem Maidan gedachten Tausende Regierungsgegner eines getöteten Demonstranten. Die Trauerfeier verlief ohne Zwischenfälle.
  • Deutschlands Außenminister Steinmeier mahnte eine politische Lösung an. Auch Papst Franziskus forderte einen "konstruktiven Dialog".
  • Die Armee wird nicht in die Proteste eingreifen, sagte der ukrainische Verteidigungsminister.
  • Die Demonstranten in Kiew halten am Sonntagabend die Barrikaden besetzt, auf dem Maidan bleibt es jedoch ruhig. Allerdings besetzten die Regierungsgegner das Justizministerium.

(23:51) Mit diesen Eindrücken von ermüdeten Demonstranten aus Kiew pausiert der Ukraine-Blog. Über die aktuellen Ereignisse berichten wir hier


(23:18) Offenbar sind die Regierungsgegner bei der Besetzung des Justizministeriums auf keinen Widerstand durch Sicherheitskräfte gestoßen. Mehrere Dutzend Demonstranten hätten erst die Fenster des Gebäudes eingeworfen und dann die Kontrolle über das Ministerium übernommen, berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Anschließend begannen sie damit, Barrikaden zu errichten.

(22:36) Der Sonntagabend bleibt doch nicht so ruhig wie gedacht. Demonstranten haben das Justizministerium in Kiew besetzt, berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP.

(21:31) Unser Reporter Ian Bateston hat einen Rundgang über den Maidan gemacht und schildert seine Eindrücke: Demonstranten öffnen Ölfässer mit einer Axt und füllen sie mit Holz, um sich am Feuer zu wärmen. Still ist es auf dem Maidan nie. Die Nationalhymne wird gesungen, einer schreit "Ruhm der Ukraine", die anderen antworten: "Ruhm den Helden!" Auf den Barrikaden wird getrommelt. Hannah und Maria wechseln sich ab, sie schlagen mit einer Metallstange auf eine Pfanne. Ihre Nachnamen wollen sie aus Angst vor Verfolgung nicht nennen: "Wenn Janukowitsch zurücktritt, kann das hier endlich beendet werden", sagt Hannah. Maria pflichtet ihr bei: "Er hat auf die Jungs hier schießen lassen, in Friedenszeiten! Ich konnte nicht mehr einfach zu Hause sitzen. Deswegen bin ich hier." Doch die beiden Frauen sind versöhnlich gestimmt: "Sie sind alle unsere Kinder", sagt Hannah und deutet auf die Polizisten, die auf der anderen Seite der Barrikade stehen.

(20:26) Eine Übersichtskarte zeigt, wie sich die Proteste außerhalb Kiews entwickeln. Viele regionale Regierungsgebäude wurden besetzt, andere sind umkämpft. Deutlich wird, dass im westlichen, ukrainischsprachigen Teil der Ukraine die Proteste schon weiter fortgeschritten sind als im Osten des Landes.

 

(20:01) Wischmop statt brennender Autoreifen – auch das sind die Bilder des Protests in der Ukraine. Nach der Besetzung des Kongresszentrums "Ukrainisches Haus" wird erst mal durchgewischt.


(19:11) #Euromaidan ist überall: Auf Twitter werden Fotos von Solidaritätskundgebungen in mehreren europäischen Städten verbreitet. Im russischen Kaliningrad und auch in Dublin fanden heute Demonstrationen statt.

(17:20) Ein friedlicher Abend in Kiew, meldet unser Reporter Moritz Gathmann. In der Gruschewskistraße bewachen Demonstranten weiter die Barrikaden und rufen "Ruhm der Ukraine". Mit Knüppeln trommeln sie auf  Tonnen. Vereinzelt explodieren Feuerwerkskörper. Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften, die in einiger Entfernung stehen, sind nicht zu beobachten. "Die schießen nicht auf uns und wir nicht auf die", sagt ein Protestler. Es ist auch der erste Tag seit Langem, an dem keine brennenden Autoreifen zu sehen sind. Die Strategie scheint zu sein, die Drohkulisse aufrechtzuerhalten, aber die Situation nicht eskalieren zu lassen.

(16:10) Unser Reporter Ian Bateson berichtet von der Trauerfeier auf dem Unabhängigkeitsplatz: Es herrscht eine sehr gedrückte Stimmung auf dem Maidan. Vor einer Bühne wurde der Sarg mit dem Leichnam von Michail Schisnewski aufgebahrt. Viele Leute legen Kerzen und Blumen nieder und singen ukrainische Lieder. Auch Anhänger der ultranationalistischen Organisation UNA-UNSO sind dabei. In der Gruschewskistraße haben Regierungsgegner Denkmäler aus Pappe für getötete Demonstranten errichtet. 

(15:30) Tausende Regierungsgegner trauern im Zentrum Kiews um den getöteten Demonstranten Michail Schisnewski. Mitglieder der ultranationalistischen Organisation UNA-UNSO trugen den Sarg mit seinem Leichnam durch die Menschenmenge. Über den Toten haben sie ihre Flagge gelegt. Der 25-jährige Weißrusse ist während der Unruhen und Proteste der vergangenen Tage erschossen worden. 

Ein Trauergottesdienst fand in der Sankt-Michael-Kathedrale statt. Eine Großdemo hatte die Opposition vorher abgesagt. Schisnewski wäre heute 26 Jahre alt geworden. Er soll in seiner weißrussischen Heimat beigesetzt werden.

Die Behörden bestätigten, dass der junge Mann erschossen wurde, allerdings bestreiten sie, selbst auf Demonstranten gefeuert  zu haben. Schisnewski lebte seit Jahren in der Ukraine. Während der vergangenen Wochen half er als Ordner, die Proteste friedlich zu halten.

(15:00) Obwohl die Opposition das Angebot einer Regierungsbeteiligung abgelehnt hat, geben Anhänger des Präsidenten nicht auf. Dieser habe einen "vernünftigen Kompromiss zur Lösung der Krise" unterbreitet, sagte Fraktionsvize Michail Tschetschetow von der Janukowitsch-Partei. "Die Opposition sollte ihn sehr ernst nehmen." Der kommunistische Abgeordnete Alexander Golub nannte das Angebot einen "Versuch, zum Dialog zurückzukehren". Ein Mitarbeiter der Klitschko-Partei Udar sagte nur, die Opposition verhandele weiter.

(14:45) Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, macht Druck auf den ukrainischen Präsidenten:  "Janukowitsch, Stopp mit der Gewalt. Und rede mit deinem Volk, das ist der bessere Weg als der Unsinn, der da jetzt veranstaltet wird", forderte Schulz am Rande des SPD-Parteitags in Berlin. Schulz unterstrich das Angebot einer stärkeren Vermittlertätigkeit der Europäischen Union in Kiew. Dabei erinnerte er an die Rolle der EU während der sogenannten orangenen Revolution. "Vielleicht können wir an ein solches Modell anknüpfen", sagte Schulz.

(14:20) Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Regierung in Kiew aufgefordert, der Opposition entgegenzukommen. Eine Lösung des Konflikts sei nicht mit Gewalt zu erzwingen, sagte Steinmeier am Rande des SPD-Parteitags in Berlin. "Ich bin der Überzeugung, auch wenn die Lage so schwierig ist, wie sie sich darstellt: Noch sind letzte Möglichkeiten für eine politische Lösung nicht ausgeschöpft", sagte Steinmeier. "Die müssen gesucht werden." Die jüngste Einschränkung des Demonstrationsrechts nannte er fragwürdig.

(14:00) Die Opposition hat nach Medienberichten eine für heute angekündigte Großdemonstration auf dem Maidan abgesagt. Stattdessen soll es eine Trauerfeier für einen am Mittwoch getöteten 25-jährigen Demonstranten geben. In der St.-Michael-Kirche unweit des Platzes wurde der Gottesdienst für den getöteten abgehalten, berichtet unser Reporter Ian Bateson. Bisher sind seit September sonntags teilweise mehr als 100.000 Menschen zu Kundgebungen auf den zentralen Platz gekommen.


(13:45) Auch im Westen der Ukraine besetzt die Opposition weitere Regierungsgebäude. In den Städten Iwano-Frankowsk und Ternopol stürmten die Regierungsgegner Rathäuser und erklärte die Partei des prorussischen Staatschefs Viktor Janukowitsch demonstrativ zur "verbotenen Organisation". Auch die Kommunisten seien "unerwünscht", da sie im Parlament in Kiew ebenfalls für eine Einschränkung des Demonstrationsrechts gestimmt hätten, teilten die Regierungsgegner mit. In Winniza trat ein Richter aus Protest gegen die Inhaftierung von Demonstranten zurück. Die Urteile seien politisch motiviert, sagte der Jurist.