Überblick der Ereignisse in der Ukraine am Samstag, 25. Januar:

  • Regierungsgegner haben das Kongresszentrum in Kiew in ihre Hand gebracht. In der Nacht hatten Sicherheitskräfte noch einen Sturm auf das Gebäude verhindert.
  • Präsident Janukowitsch hat der Opposition ein Angebot gemacht: Klitschko und Jazenjuk sollen Regierungsämter bekommen; auch eine Verfassungsänderung soll besprochen werden.
  • Klitschko und Jazenjuk lehnen das Angebot ab. Klitschko nennt es "vergiftet".

Dieser Blog ist nun geschlossen. Über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine berichten wir hier.


(09:21) In Kiew haben Demonstranten das Kongresszentrum in der Nähe des Europaplatzes fest in ihrer Hand, teilte die Vaterlandspartei der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko mit. "In den Büros wird Essen und heißer Tee ausgegeben, hier können sich unsere Kampfgenossen aufwärmen", sagte eine Sprecherin der Regierungsgegner. In der Nacht hatten Sicherheitskräfte mit Tränengas und Blendgranaten noch versucht, den Sturm auf das Gebäude abzuwehren. "Wir haben die Einheiten dann zurückgezogen, damit die Lage nicht weiter eskaliert", sagte Innenminister Witali Sachartschenko. Fernsehbilder zeigten starke Schäden an Fenstern und Türen des Kongresszentrums.

Oppositionsführer Klitschko, der sich vor Ort aufhielt, bestätigte die Einnahme des Gebäudes. "Das Ukrainische Haus wurde ohne Blutvergießen eingenommen", sagte er.

(06:18) Klitschko sieht das Angebot von Präsident Janukowitsch für einen Regierungseintritt als einen Versuch, die Protestbewegung zu schwächen. "Das war ein vergiftetes Angebot von Janukowitsch, um unsere Demonstrationsbewegung zu spalten", sagte Klitschko der Bild am Sonntag. "Wir werden weiter verhandeln und fordern weiterhin vorzeitige Neuwahlen. Der Protest der Ukrainer gegen den korrupten Präsidenten darf nicht umsonst gewesen sein", sagte Klitschko.

(01:14) Wir beenden unser Live-Blog für heute. Nach der kalten Nacht in Kiew geht es morgen früh bei ZEIT ONLINE weiter.

(00:53) Die Demonstranten warten weiterhin darauf, dass die Einsatzkräfte aus dem Ukrainischen Haus in Kiew abziehen. Laut unserem Reporter Moritz Gathmann bestehen sie darauf, dass die Einsatzkräfte ohne Helme und Schilde durch den von den Besetzern gebildeten Korridor gehen. Einige haben das Ukrainische Haus verlassen. Auf den Straßen waren bei -20 Grad in der Nacht weiter Demonstranten unterwegs, ebenso Polizeieinheiten.

01:00 Uhr nachts unweit des Maidans: Eine Einheit des radikalen "Rechten Sektors" aus 30 Mann, bewaffnet mit Metallspeeren, wartet auf ihren Einsatzbefehl. © Moritz Gathmann/ZEIT ONLINE

(00:16) Im Ukrainischen Haus soll ein Feuer ausgebrochen sein. Die Einsatzkräfte der Polizei haben den Forderungen der Demonstranten nun offenbar zugesagt, das Ukrainische Haus zu verlassen. Die Demonstranten bildeten einen Korridor und rufen: "Kommt raus!"   

(23:21) In Kiew gehen die gewaltsamen Proteste weiter. Während an den Barrikaden der Gruschewski-Straße nach einem ausgehandelten Waffenstillstand Ruhe herrscht, versuchen Demonstranten das nahe gelegene Ukrainische Haus zu stürmen. Wie unser Reporter Moritz Gathmann berichtet, hatten sich Einsatzkräfte offenbar unbemerkt Zugang zu dem Gebäude verschafft und die Eingänge verbarrikadiert. Etwa 2.000 Demonstranten versammelten sich daraufhin vor dem Eingang des früheren Lenin-Museums und werfen Steine und Molotowcocktails. Die Polizei – etwa 200 Einsatzkräfte – geht aus dem Gebäude heraus mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Protestierenden vor. Offenbar gab es mehrere Verletzte.

(21:45) Auch die beiden Oppositionspolitiker Oleh Tjagnibok und Arseni Jazenjuk sagten auf dem Maidan, sie ließen sich von Janukowitsch nicht einbinden. "Sie haben uns den Rücktritt der Regierung angeboten. Aber vertrauen wir ihnen?" Nein, lautete seine Antwort. Die Bewegung sei nicht mehr zu stoppen. Die diktatorischen  Gesetze, die vor zehn Tagen durchgewinkt worden seien, müssten weg. Jazenjuk beschuldigte Janukowitsch, die Ukraine an den Rand des Zusammenbruchs gebracht zu haben. Die Oppositionsführer hätten Janukowitsch gesagt, sie hätten keine Angst davor, Verantwortung für die Ukraine zu übernehmen, teilte er mit. Aber sie wollten eine neue und demokratische Verfassung und ein Land, das offen nach Europa ist. Außerdem müsse Julija Timoschenko freigelassen werden.

(21:26) Vitali Klitschko hat das Angebot von Präsident Janukowitsch abgelehnt, stellvertretender Ministerpräsident zu werden. "Vorgezogene Präsidentschaftswahlen sind unser Ziel, davon treten wir nicht zurück", sagte er vor Anhängern in Kiew. Die Gespräche mit der Regierung würden aber weitergeführt.

(20:54) Der EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat die Konfliktparteien in der Ukraine zum Dialog aufgerufen. Die Türen der EU blieben für die Ukraine geöffnet, sagte er. "Die EU ist weiter bereit, diesen Vertrag zu unterzeichnen", sagte er über das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine. Voraussetzung sei allerdings ein Bekenntnis der Regierung in Kiew zu einer freien und demokratischen Ukraine. Die Eskalation der Gewalt verurteilte Van Rompuy. "Ein echter Dialog mit der Bürgergesellschaft und der politischen Opposition ist die einzige Lösung in dieser Situation", sagte er.

(20:49) Auf der Gruschewski-Straße hat unser Reporter Moritz Gathmann Demonstranten zum Angebot Janukowitschs befragt. Der Maidan erlaube es Klitschko nicht, das Angebot anzunehmen, sagte einer. In zwei, drei Tagen sei Janukowitsch zu allem bereit. Allerdings traue er den Oppositionsführern nicht zu, bis zum Ende zu gehen, sagte er.

Demonstranten folgen einer TV-Übertragung auf einer Häuserwand in der Gruschewski-Straße. © Moritz Gathmann/ZEIT ONLINE

(20:36) Janukowitsch bietet Straffreiheit, mehr Pressefreiheit und TV-Duell an: Das Angebot an die Opposition sieht auch eine Straffreiheit für Oppositionsanhänger vor, die bei den Demonstrationen festgenommen worden waren. Im Gegenzug müssten alle blockierten Plätze und Gebäude im Zentrum von Kiew geräumt werden. Zudem stellte Janukowitsch eine Änderung der zuletzt verabschiedeten Gesetze zur Einschränkung der Demonstrations- und Pressefreiheit in Aussicht. Diese waren Auslöser der gewalttätigen Proteste Mitte Januar gewesen.

Die von der Opposition wiederholt kritisierte Wahlkommission solle künftig nach den Kräfteverhältnissen im Parlament gebildet werden. Janukowitsch schlug Klitschko darüber hinaus ein Fernseh-Duell vor, bei dem alle strategischen Fragen des Landes erörtert werden sollten. Der Oppositionspolitiker habe dem zugestimmt, teilte das Präsidialamt mit. Klitschko hatte eine solche öffentliche Diskussion mehrfach vergeblich gefordert.

(20:12) Janukowitsch schiebt der Opposition den schwarzen Peter zu, kommentiert unser Reporter Moritz Gathmann die aktuelle Lage in Kiew. Sein Angebot, die Oppositionsführer in die Regierung einzubinden, sei ein cleverer Schachzug des Präsidenten, weil es Klitschko und Jazenjuk vor ein Dilemma stellt: Lehnen Sie die Ämter ab, wird Janukowitsch ihnen vorwerfen, weder an einem Ende der Gewalt, noch an Gesprächen zur Verfassungsänderung ernsthaft interessiert zu sein. Nehmen Sie das Angebot an, müssten die Proteste aus den oppositionellen Lagern beendet werden und Janukowitsch bliebe trotz allem an der Macht. Das aber würde nicht zu der Forderung passen, die die Menschen auf dem Maidan seit zwei Monaten stellen: Fort mit der Bande, heißt es, Janukowitsch muss gehen. Zudem hat Janukowitsch dem dritten Oppositionsführer Oleh Tjagnibok kein Regierungsamt angeboten. Ohne die Einbindung Tjagniboks würde dieser als Chef der rechtsextremen Swoboda-Partei die künftige Opposition somit alleine anführen.

Bislang gibt es zum Angebot Janukowitschs keine Reaktion der Opposition. Vitali Klitschko kündigte an, sich in etwa einer Stunde auf der Bühne auf dem Maidan äußern zu wollen.

(19:16) Nach dem Treffen mit der Opposition hat Präsident Viktor Janukowitsch eine Änderung der Verfassung in Aussicht gestellt. Im Gespräch sei der Übergang zu einer parlamentarischen Präsidialrepublik. Bislang besitzt der Präsident in der Ukraine alle zentralen Machtbefugnisse, teilte das Büro des Präsidenten mit.

Janukowitsch bot der Opposition außerdem die Führung der Regierung an. Demzufolge solle Arseni Jazenjuk von der Vaterlandspartei der ehemaligen Regierungschefin Julija Timoschenko neuer Ministerpräsident werden, Oppositionsführer Vitali Klitschko sein Stellvertreter. 

Sollte die Opposition mit diesem Plan einverstanden sein, würde die bisherige Regierung von Ministerpräsident Nikolai Asarow ihren Rücktritt erklären, hieß es aus der Präsidialverwaltung.

Jazenjuk hatte der Regierung nach der Annäherung an Russland Staatsverrat vorgeworfen. Janukowitsch habe das Land an Moskau verkauft und im Gegenzug Geld erhalten sowie seine Wiederwahl 2015 gesichert. Bislang waren die Zugeständnisse Janukowitschs der Opposition nicht genug, sie verlangt, dass der Präsident zurücktritt. Eine Stellungnahme der Oppositionsführung zu den neuen Vorschlägen gibt es bislang nicht.

(18:37) Präsident Viktor Janukowitsch hat der Opposition um Vitali Klitschko führende Regierungsämter angeboten. Das teilte Justizministerin Jelena Lukasch nach Angaben der Präsidialverwaltung mit. Demnach solle Arseni Jazenjuk Regierungschef und Klitschko dessen Stellvertreter werden.

Vorausgegangen war ein Treffen zwischen Janukowitsch und den Oppositionspolitikern Vitali Klitschko, Arseni Jazenjuk und Oleh Tjagnibok. Die Verhandlungen dauerten etwa dreieinhalb Stunden. Darin habe Janukowitsch auch zugesagt, die Verfassung zu ändern und die strengen Demonstrationsgesetze zu lockern. 

(17:42) Unser Reporter Moritz Gathmann berichtet aus Kiew: Der Unabhängigkeitsplatz Maidan, der sonst an den Wochenenden von Zehntausenden bevölkert wird, ist nicht mehr das Zentrum der Demonstrationen. Die Tagesordnung bestimmen die Einheiten der bewaffneten Aktivisten, Samooborona genannt, Selbstverteidigung. Sie bewachen etwa die Barrikaden an der Gruschewski-Straße.

Mehrere Tausend von ihnen sind mit Helmen, Gasmasken, Knüppeln und Mistgabeln bewaffnet. Immer wieder gibt es Scharmützel zwischen ihnen und den Polizisten, die an einigen Stellen nur wenige Meter von den Aktivisten entfernt stehen. Ohne Pause brennen die Autoreifen, sie verbreiten einen beißenden Geruch und behindern die Sicht.

Nur wenige Hundert Meter von hier entfernt verhandeln Vitalij Klitschko und die anderen Oppositionellen seit zweieinhalb Stunden mit Präsident Viktor Janukowitsch. Das Einzige was die Menschen von den Barrikaden bringen könnte, wäre ein Rücktritt Janukowitschs.