Sie hatten die Macht zum Abschuss von Atomraketen im Kriegsfall und offenbar mangelndes Verantwortungsbewusstsein: Die US-Luftwaffe hat 34 Offiziere vom Dienst suspendiert, weil diese bei einem routinemäßigen Eignungstest betrogen haben sollen. Die Mitarbeiter am Stützpunkt Malmstrom im Bundesstaat Montana hätten sich untereinander die Antworten verraten, sagte Militärsprecherin Deborah Lee James. Dies sei ein "völlig inakzeptables Verhalten" und entsprechend bestraft worden.

Somit fällt vorerst fast ein Fünftel jener Offiziere aus, die in Malmstrom bis zu 150 mit Atomsprengköpfen versehene Interkontinentalraketen abschießen dürfen. Die atomare Schlagkraft der USA sei damit allerdings nicht eingeschränkt, versicherten US-Militärs umgehend. Die in Malmstrom stationierte Einheit ist verantwortlich für etwa ein Drittel der insgesamt 450 Minuteman-III-Interkontinentalraketen der US-Streitkräfte.

Insgesamt 34 Offiziere sind in die Schummeleien verwickelt. Sie sollen bei der monatlichen Prüfung Antworten per SMS verschickt, erhalten oder wenigstens von dem Betrug gewusst haben, schreibt die Neue Züricher Zeitung. Sie haben vorerst keine Berechtigung, Operationen zu führen. Als Konsequenz aus der Affäre sollen nun alle Offiziere des Raketenkommandos die Prüfung wiederholen.

Die Sicherheit des nuklearen Arsenals sei durch den Vorfall nicht in Gefahr gewesen, sagte Luftwaffen-Stabschef General Mark Welsh. Es handele sich bei der Schummelei vor allem um einen Verstoß gegen das wichtige Prinzip der Integrität. Verteidigungsminister Chuck Hagel sei zutiefst betrübt, teilte das Pentagon mit. Er habe von der Air Force "aggressive Schritte" als Reaktion gefordert.

Schummelei zufällig entdeckt

Aufgeflogen waren die Betrüger eher zufällig. Bei Untersuchungen wegen Drogenbesitzes gegen mehrere Soldaten an verschiedenen Militärbasen wurden die Ermittler auf zwei Verdächtige aufmerksam, die bei besagter Prüfung gemogelt haben sollen. 

Das war nicht der erste Zwischenfall auf einer Atomwaffen-Basis. Wie CNN berichtet, fiel erst im vergangenen Jahr ebenfalls in Malmstrom eine Einheit durch einen Sicherheitstest. Bei einem Test in einer anderen großen Atomwaffen-Basis in North Dakota schnitt eine Einrichtung im vergangenen Jahr so schlecht ab, dass 17 Angestellte entlassen wurden.