Großer Auftritt des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani im Kongresszentrum: Der Mann ist ein Star des diesjährigen Weltwirtschaftsforums, und die Halle war voll gepackt. Das Hauptfazit: Wenn die Sprache entscheidet, ist Ruhani unser Mann. Zwischen seiner öffentlichen Rede und der seines Vorgängers Mahmud Ahmadinedschad liegt eine ganze Epoche.

Ahmadinedschad pflegte zu toben und zu drohen, Israel und Amerika als kleinen und großen Satan zu beschimpfen. Ruhani dagegen spricht "unsere" Sprache. Sie wimmelt von "gemeinsamer Sicherheit", "fairen und freien Wahlen" (in Syrien), "universeller Moral", "Würde" und "Energiesicherheit". Der Terror, sagt er, werde auf seine "Betreiber zurückschlagen".

Er wünsche sich eine Welt, die gegen Gewalt und Extremismus steht. Ernsthafte Hindernisse auf dem Weg von einem Zwischen- zu einem finalen Atomabkommen? Die gebe es höchstens auf der anderen Seite. Akzeptiert würden alle Kontrollen durch die Wiener Atombehörde IAEA. Der Iran habe nie Atomwaffen angestrebt und werde es auch nie tun. Es gehe dem Iran allein um die friedliche Nutzung für Energie- und Gesundheitszwecke.

Den syrischen Bürgerkrieg bezeichnet Ruhani als eine moralische Tragödie. Er wolle Opposition und Regierung an einen Tisch bringen, damit sie sich auf freie Wahlen einigen. Sonst würde der Terror, gemeint ist Al-Kaida, auf die Nachbarländer überspringen. Er wolle mit "allen Ländern, die der Iran anerkannt hat, Differenzen ausräumen und eine bessere Zukunft gestalten".

"Mit allen?", also auch mit Israel, wollte der Moderator Klaus Schwab wissen. Ruhani antwortete: "Mit allen, die der Iran offiziell anerkannt hat."

Netanjahu kritisiert Ruhani erst auf Nachfrage

Wie es der Zufall so wollte, betrat drei Stunden später der israelische Premier Benjamin Netanjahu die Bühne. Er erwähnte die Konflikte der Region in seiner vorbereiteten Rede mit keinem Wort, sondern stellte Israel als "Start-up-Nation", "Technologie-Inkubator" und globales Innovationszentrum in den Vordergrund. Im Frage-und-Antwort-Teil des Auftritts ging er allerdings mit Ruhani ins Gericht.

Israel und seine arabischen Nachbarn "fühlen sich nicht beruhigt durch die weichen Worte dieses Mannes. Die Sprache hat keine Beziehung zu den Realitäten", sagte Netanjahu. Der Iran müsse seine Worte mit Taten versehen, beispielsweise aufhören, an Langstreckenraketen zu bauen und fortgeschrittene Zentrifugen zur Urananreicherung aufzustellen.

Die moralische Tragödie in Syrien? An den Blutbädern seien "die Revolutionsgarden und Hisbollah beteiligt", sagte Netanjahu. Schließlich mit leisem Sarkasmus: "Es klingt gut, was Ruhani sagt, und ich wünsche mir, dass es wahr wäre." Das wünschten sich alle im Saal.