Ein Regierungsgegner wirft während des Kampfes mit der Polizei auf dem Maidan in Kiew einen Reifen. © Vasily Fedosenko / Reuters

Überblick der Ereignisse in der Ukraine:

  • Der ukrainische Machtkampf ist außer Kontrolle – die gewalttätigen Auseinandersetzungen um den Maidan gehen weiter
  • Janukowitsch macht die Oppositionsführer für die Eskalation der Gewalt verantwortlich
  • Nach Angaben von Polizei und Opposition starben während der Straßenschlachten bislang mindestens 14 Demonstranten und sieben Polizisten, fast 1.000 wurden verletzt
  • Ein Treffen zwischen Klitschko und Janukowitsch verlief ohne Ergebnis
  • Polizisten sind am Abend auf den besetzten Maidan vorgedrungen, Spezialeinheiten stürmten das Oppositionscamp, Tausende Demonstranten leisten Widerstand, haben mehrere Gebäude besetzt.
  • Auch im Westen des Landes gibt es Proteste
  • Außenminister Frank-Walter Steinmeier droht mit Sanktionen gegen Einzelpersonen.
  • Einen Livestream vom Maidan in Kiew gibt es hier.


(06:00) Die Zahl der Toten ist weiter gestiegen: Seit Beginn des Gewaltausbruchs am Dienstag seien mindestens 14 Demonstranten und sieben Polizisten getötet worden, teilten Polizei und Opposition mit. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Damit erlebte die ehemalige Sowjetrepublik den bislang gewalttätigsten Tag seit Beginn ihrer Unabhängigkeit vor mehr als 20 Jahren.

(05:15) Präsident Viktor Janukowitsch hat der Opposition den Kampf angesagt. Die Oppositionsführer hätten die "Grenzen überschritten", indem sie im Machtkampf auf den Druck der Straße setzten und "die Leute zu den Waffen rufen", sagte Janukowitsch in der Nacht in einer Rede an die Nation. Die "Schuldigen" für die Gewalt würden vor Gericht gestellt werden. "Die Oppositionsführer haben das Prinzip der Demokratie verletzt, wonach man die Macht durch Wahlen erhält und nicht durch die Straße", sagte Janukowitsch. Er warf der pro-westlichen Opposition einen verfassungswidrigen Versuch der Machtübernahme vor.

(04:25) Wie viele Menschen bei den Zusammenstößen in Kiew verletzt worden sind, vermag niemand exakt zu sagen. Krankenhäuser rund um den Unabhängigkeitsplatz melden, dass sie überfüllt sind. Behörden riefen zu Blutspenden auf. Schulen und Kindergärten im Zentrum der Stadt sollen am Mittwoch geschlossen bleiben.

(03:51) Gespenstische Szenerie auf dem Maidan: Leiser Gesang der Demonstranten, immer wieder unterbrochen von Explosionen.Die Demonstranten schwenken Fahnen der Ukraine und der EU hinter meterhoch brennenden Barrikaden, die einzige Lichtquelle auf dem Platz. Die Polizei setzt Wasserwerfer und Blendgranaten ein, kann die Stellungen aber nicht einnehmen. Die Demonstranten wehren sich mit Steinen, Molotowcocktails und Feuerwerkskörpern.

(02:46) Die Gewalt in Kiew geht weiter. Immer wieder sind Schüsse und Explosionen zu hören, Barrikaden am Maidan stehen in Flammen. Augenzeugen berichten von Schießereien in den Nebenstraßen rund um den Unabhängigkeitsplatz.Auch aus anderen Städten des Landes werden inzwischen Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten gemeldet.

(01:25) Ein Krisentreffen zwischen Oppositionsführer Klitschko und Präsident Janukowitsch hat kein greifbares Ergebnis gebracht. Der ukrainische Präsident wolle die Erstürmung des Protestcamps auf dem Unabhängigkeitsplatz fortsetzen, sagte Klitschko im Anschluss einem Fernsehsender. Daraufhin habe er das gespräch abgebrochen.

(00:49) Das Hauptquartier der Opposition in Kiew, das Gewerkschaftshaus, steht in Flammen. Laut mehreren Meldungen sollen Spezialeinheiten der Berkut zuvor das Gebäude gestürmt haben. Menschen lassen sich an Seilen aus den Fenstern hinab, um den Flammen zu entkommen.

(00:21) Jetzt schalten sich die USA ein. Vizepräsident Joe Biden habe Viktor Janukowitsch in einem Telefonat zu "maximaler Zurückhaltung" aufgefordert, teilte das Weiße Haus mit. Er sei über die "Krise auf den Straßen von Kiew" besorgt und rufe Janukowitsch dazu auf, die Polizei zurück zu ziehen. Zuvor war es mehreren Staats- und Regierungschefs, darunter Angela Merkel, nicht gelungen, mit dem ukrainischen Präsidenten zu sprechen.

Polizisten stürmen den Maidan. ©Sergey Dolzhenko /dpa

(00:05) Der Oppositionsführer Alexander Turchinov ist auf einer Bühne verletzt worden, allerdings nicht so schwer, wie anfangs befürchtet. Zuerst hieß es, er sei von Scharfschützen angeschossen worden. Offenbar hat er sich aber nur eine leichte Wunde im Gesicht zugezogen. Turchinov schreibt: "Ich bin ok, bin im Gesicht verletzt. Der Kampf ist so nah, dass Splitter bis auf die Bühne geflogen sind. Wir halten durch."

(23:45) Polizisten und Schlägertrupps haben eine neue Offensive gestartet, die Demonstranten mit Gewalt vom Platz zu drängen. Christopher Miller von der Kyiv Post berichtet, dass sie dabei auch mit scharfer Munition auf die Menge schießen.

(23:10) Das geplante Treffen zwischen den Oppositionsführern und Janukowitsch verzögert sich. Klitschko und Jazenjuk warten mittlerweile seit über einer Stunde am Amtssitz des Präsidenten, twittert Klitschkos Sprecherin. Nach dem Gespräch will sich Janukowitsch selbst an die Öffentlichkeit wenden und eine Rede im Fernsehen halten, heißt es in mehreren Meldungen.

(22:45) Die Nacht bricht über dem Maidan herein, doch die Demonstranten harren aus. Überall brennen Barrikaden. Sie ziehen sich wie ein Schutzwall um den Platz und sind nahezu die einzige Lichtquelle in der Dunkelheit. Auf den Fernsehbildern ist zu sehen, dass die Straßenbeleuchtung teilweise nicht mehr funktioniert oder abgeschaltet wurde. Auf Twitter gibt es Meldungen, dass Polizisten und Schlägertrupps die Demonstranten mit UV-Farbe bewerfen, um sie besser erkennen zu können.

(22:15) Vitali Klitschko will sich in Kürze mit Präsident Janukowitsch treffen. Klitschkos Sprecherin, Oxana Sinowjewa, schreibt via Twitter, er sei auf dem Weg zum Amtssitz des Präsidenten. Nähere Angaben machte sie zunächst nicht. Ukrainische Medien berichten, dass auch der Oppositionspolitiker und frühere Außenminister Arseni Jazenjuk an dem Treffen teilnehmen wird.

(21:40) Auch außerhalb der Hauptstadt gehen die Menschen auf die Straße. Im Westen des Landes gibt es neue Proteste, unter anderem in Lwiw (Lemberg) und Iwano-Frankiwsk. Mehrere Verwaltungsgebäude sollen besetzt worden sein. AFP-Reporter berichten, dass Hunderte Regierungsgegner in Lwiw den Sitz der Regionalregierung und das Polizeirevier ohne Widerstand gestürmt haben. In Ternopol etwa 360 Kilometer westlich von Kiew versuchten Hunderte Regierungsgegner, ein Polizeigebäude zu stürmen. Die Demonstranten hätten Brandsätze geworfen, teilte das Innenministerium mit. Das Gebäude stehe in Flammen.