Schweizer Banken müssen alle etwaigen Konten des abgesetzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch einfrieren. Eine entsprechende Verordnung werde die Regierung an diesem Freitag erlassen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Bern. Die Kontensperrung gelte auch für weitere Personen aus dem Umfeld von Janukowitsch.

Die Banken seien zudem generell zu erhöhter Sorgfaltspflicht bei allen möglicherweise von ihnen verwalteten ukrainischen Geldern verpflichtet. Wie der Ministeriumssprecher Pierre-Alain Eltschinger der Schweizer Nachrichtenagentur sda sagte, hat die Regierung in Bern diese Maßnahmen von sich aus ergriffen. Die Übergangsregierung in Kiew habe bislang nicht darum gebeten.

Ob die Janukowitsch-Familie tatsächlich größere Summen auf Schweizer Konten gebunkert hatte, blieb unklar. Die Neue Zürcher Zeitung hatte kürzlich berichtet, sie werde in erster Linie mit Geschäftsbeziehungen nach Österreich und Liechtenstein in Verbindung gebracht. Allerdings werde die im Rohstoffhandel tätige Firma Mako Trading SA mit Sitz in Genf Janukowitschs Sohn Oleksander zugeschrieben.

Janukowitsch ist seit dem Wochenende untergetaucht, hat sich am Donnerstag aber erstmals geäußert. In einer Mitteilung ließ er ausrichten, er sei noch immer der legitime Präsident der Ukraine. Die Entscheidungen des jetzigen Parlaments halte er für rechtswidrig. An diesem Freitag will sich Janukowitsch in einer Pressekonferenz erstmals wieder in der Öffentlichkeit zeigen. Russische Nachrichtenagenturen berichten, er werde um 17 Uhr Ortszeit (14 Uhr MEZ) in der westrussischen Stadt Rostow am Don auftreten.

Jazenjuk beklagt leere Staatskasse

In Kiew wurde der bisherige Oppositionspolitiker Jazenjuk vom Parlament zum neuen Regierungschef gewählt. Er beklagte, Janukowitsch habe der Ukraine eine leere Staatskasse hinterlassen. "Es gibt Schulden von 75 Milliarden US-Dollar", sagte Jazenjuk. Das Gesamtvolumen von Zahlungsverpflichtungen liege aktuell bei 130 Milliarden US-Dollar.

Die Ukraine hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Unterstützung gebeten. Das bestätigte IWF-Chefin Christine Lagarde. "Wir sind bereit, zu antworten und werden in den kommenden Tagen ein Untersuchungsteam nach Kiew schicken, um mit den Behörden erste Gespräche zu führen", sagte sie. Nach Angaben des ukrainischen Finanzministeriums braucht das Land 35 Milliarden Dollar, um die kommenden zwei Jahre überstehen zu können.