Kiew-Live-Blog: Janukowitsch hat Kiew verlassen

In den Straßen von Kiew ist es in der Nacht ruhig geblieben, Janukowitsch soll in Richtung Osten abgereist sein. Die Ereignisse der vergangenen Stunden im Liveblog.
  • Der ukrainische Präsident Janukowitsch hat Kiew verlassen. Er halte sich jetzt im östlichen Charkiw auf, sagt ein US-Diplomat. 
  • Das ukrainische Parlament ermöglicht die Freilassung von Julija Timoschenko – allerdings muss Präsident Janukowitsch erst noch zustimmen.
  • Die Abgeordneten haben für eine Rückkehr zur Verfassung von 2004 gestimmt.
  • Regierung und Opposition haben ein Abkommen zum Ende der Gewalt unterzeichnet.
  • Das Abkommen sieht vor: Neuwahl des Präsidenten; Rückkehr zur Verfassung von 2004, neues Kabinett.
  • Stimmung auf dem Maidan: Zweifel, Skepsis, Misstrauen.
  • Bei Espreso.tv gibt es einen ukrainischen Livestream und bei der Tagesschau einen unkommentierten Livestream mit Rückspulfunktion.
  • Karte vom Maidan
  • hier geht's zum Blog vom Samstag

  • 06:05 Uhr
    Katharina Miklis

    Die Nacht auf dem Maidan in Kiew ist ruhig geblieben. Ob es friedlich bleibt, werden die nächsten Stunden zeigen. Die Regierungsgegner wollen weiter protestieren, sollte der ukrainische Präsident Janukowitsch nicht bis 10 Uhr zurückgetreten sein.

    Hiermit schließen wir das Liveblog.

  • 05:41 Uhr
    Katharina Miklis

    Nach Ansicht der USA braucht die Ukraine Unterstützung bei der Umsetzung des ausgehandelten Friedensabkommens. Die Einigung zwischen Janukowitsch und der Opposition, die neben einem Ende der Gewalt Neuwahlen und die Bildung einer Übergangsregierung vorsieht, sei "sehr, sehr fragil", sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums. Der stellvertretende Außenminister William Burns wird kommende  Woche nach Kiew reisen, um bei der Umsetzung zu helfen. Die Europa-Beauftragte der USA, Victoria Nuland, reist Anfang März nach.

  • 01:39 Uhr
    Katharina Miklis

    Viktor Janukowitsch hat Kiew verlassen. Ein ranghoher US-Diplomat teilte in Washington mit, dass der ukrainische Präsident bereits im östlichen Charkiw angekommen ist. Dort soll ein "politisches Treffen" stattfinden, sagte der Diplomat.

  • 00:25 Uhr
    Katharina Miklis

    Hat auch Vitali Sachartschenko Kiew verlassen? Der am Nachmittag entlassene Innenminister soll laut einer anonymen Quelle im Ministerium die Grenze zu Weißrussland überquert haben. Sachartschenko gilt als Hauptverantwortlicher für die Gewaltexzesse der Polizei in den vergangenen Tagen. Er hatte die Einsatzkräfte mit Schusswaffen für den "Anti-Terror-Einsatz" ausgestattet.

  • 23:56 Uhr
    Katharina Miklis

    US-Präsident Barack Obama hat in der Nacht zu Samstag mit Wladimir Putin telefoniert. Neben Syrien und dem Iran ging es in dem Gespräch auch um die Lage in der Ukraine. Laut Kremlangaben hat Putin betont, dass besonders die Auseinandersetzung mit der radikalen Opposition wichtig sei – "Sie hat die Konfrontation in der Ukraine an eine gefährliche Linie gerückt".

  • 21:18 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Noch kann niemand absehen, ob es nach dem mit Janukowitsch ausgehandelten Kompromiss friedlich bleibt in der Ukraine. Die Demonstranten buhten und pfiffen, als die Oppositionsführer, allen voran Klitschko, auf den Maidan kamen. Ein Aktivist stürmte die Bühne und stellte dem Präsidenten ein Ultimatum: Sollte er bis Samstag um 10 Uhr nicht zurückgetreten sein, gingen die Proteste weiter. Er erhielt Applaus von der Menge. Ein Sturm auf den Präsidentenpalast dürfte den Protestierenden nicht schwer fallen: Zwischen dem Maidan und dem Gebäude befände sich kein einziger Polizist mehr, sagt unser Reporter Moritz Gathmann. Das Parlamentsgebäude und das Regierungsgebäude werden von Maidan-Aktivisten bewacht - damit es keine Übergriffe gibt, sagen sie. Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist ob der Ruhe noch skeptisch: "Wir wollen uns nicht zu früh freuen", sagte er nach seiner Rückkehr.

  • 19:16 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Jetzt beschäftigt sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit der Ukraine. Per Eilverfahren prüfen die Richter die Beschwerde eines Demonstranten. Der Mann wirft der Polizei vor, zahlreiche Menschen getötet oder schwer verletzt zu haben und klagt wegen Missachtung des Folterverbots und des Rechts auf Leben. Beides ist in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert. Der Gerichtshof forderte die Regierung in Kiew auf, bis zum 14. März zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

  • 18:38 Uhr
    Sybille Klormann

    Immer mehr Abgeordnete verweigern Präsident Viktor Janukowitsch die Gefolgschaft: In den letzten Stunden haben fünf weitere Politiker im Parlament die Fraktion der regierenden Partei der Regionen verlassen, teilte Vize-Parlamentschef Ruslan Koschulinski mit. Damit stieg die Zahl auf 24. In ihrer vollen Stärke hatte die Fraktion zuletzt 205 von 450 Sitzen in der Obersten Rada. Beobachter sprechen von rapiden Absetzungserscheinungen nach den Zugeständnissen von Präsident Janukowitsch an die Opposition.

  • 18:35 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Die Polizei in Kiew zieht sich zurück. Auf dem Maidan sind keine Einheiten mehr, auch die Straßen zum Regierungsviertel sind frei, beobachtet unser Reporter Steffen Dobbert.

  • 17:39 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Die ukrainische Oppositionsführerin Julija Timoschenko könnte bald freikommen. Das Parlament in Kiew hat beschlossen, die Vorwürfe gegen die Ex-Regierungschefin nicht mehr als Straftaten zu werten. Allerdings muss Präsident Viktor Janukowitsch das Gesetz noch unterzeichnen, damit es in Kraft tritt. Timoschenko ist seit August 2011 in Haft und wird seit eineinhalb Jahren wegen einer schweren Krankheit in einer Klinik behandelt. Die Anführerin der Orangen Revolution 2004 war im Oktober 2011 in einem international umstrittenen Prozess wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. 2010 war sie Janukowitsch bei der Präsidentschaftswahl knapp unterlegen.

  • 17:00 Uhr
    Sybille Klormann

    Handschlag im Präsidentenpalast am heutigen Nachmittag:




  • 16:38 Uhr
    Sybille Klormann

    Bei den Verhandlungen im Präsidentenpalast fielen deutliche Worte: Der polnische Außenminister sagte einem der Oppositionsvertreter: "Wenn ihr diesen Deal nicht unterstützt, dann kriegt ihr Kriegsrecht und die Armee. Ihr werdet alle sterben." Ein britisches Fernsehteam hat die Szene gefilmt.


  • 16:04 Uhr
    Tilman Steffen

    Das Parlament hat die Verfassung von 2004 wieder in Kraft gesetzt, wie in der Vereinbarung mit Janukowitsch festgelegt. 369 von 394 Abgeordneten haben dafür gestimmt. Vorangegangen war eine Debatte über das Verhandlungsergebnis. Auch Klitschko sprach. Nach dem Singen der Hymne applaudierten die Abgeordneten. (Screenshot: espreso.tv von 15.41 Uhr) Die Atmosphäre im Plenarsaal war staatstragend, am Vormittag war es im Parlament noch hoch hergegangen.

  • Mehr Beiträge laden

Weitere Artikel finden Sie im ZEIT ONLINE eBook Euromaidan – Protest und Zivilcourage in der Ukraine von Steffen Dobbert hier

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

346 Kommentare Seite 1 von 37 Kommentieren

Da gibt es mehrere

" Wo steht eigentlich die ukrainischen Kirche in diesem Konflikt?"

Welche Kirche?

In der Ukraine gibt es vor allem im Westen eine formal katholische (unierte) Kirche, und eher im Osten die orthodoxe.

An einem Tag, als eigentlich Krawall angesagt war, haben sich ein paar Priester rechtzeitig zwischen die Fronten gestellt und gebetet. Die ganze Nacht durch. Hat an dem Tag an der Stelle geholfen.