Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat mit Bedauern auf die geplante Begrenzung der Zuwanderung in der Schweiz reagiert. "Das wird eine Menge Schwierigkeiten für die Schweiz verursachen", sagte Schäuble in der ARD. Zuvor hatten 50,3 Prozent der Schweizer für das Projekt "Gegen Masseneinwanderung" gestimmt. Das Land muss daher das Abkommen mit der EU über freien Personenverkehr neu aushandeln.

Schäuble forderte auch für die deutsche Politik Konsequenzen. "Es zeigt natürlich ein bisschen, dass in dieser Welt der Globalisierung die Menschen zunehmend Unbehagen gegenüber einer unbegrenzten Freizügigkeit haben", sagte er. "Ich glaube, das müssen wir alle ernst nehmen."

Der Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, bezeichnete das Referendum als schweren Fehler. "Was Europa als Letztes braucht, sind neue Mauern", sagte Riexinger dem Handelsblatt. Er forderte eine "deutliche Antwort der EU", sollte die Schweiz bei ihrem Kurs bleiben. Als eine Möglichkeit nannte er die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. "Wenn die Schweiz ihre Grenze für Menschen schließt, dann ist es nur gerecht, wenn auch das Geld draußen bleibt."

Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, sagte dem ZDF: "Man kann nicht alle Vorteile des großen europäischen Binnenmarktes für sich in Anspruch nehmen, sich dann aber teilweise raustun." Das werde man jetzt mit der Schweiz diskutieren müssen.

Europaskeptiker loben die Abstimmung

Auf Zustimmung stieß der Schweizer Volksentscheid hingegen bei Europaskeptikern in Frankreich und Großbritannien. Die Abstimmung stelle eine "positive Umkehr gegenüber den zerstörerischen Dogmen der 'Grenzenlosigkeit' dar", teilte der rechtsextreme französische Front National mit. Der "Schweizer Sieg" werde auch den "Willen der Franzosen" bestärken, die "Masseneinwanderung zu stoppen und die Kontrolle über ihre Grenzen" selbst zu übernehmen, hieß es weiter.

Nigel Farage, Vorsitzender der antieuropäischen UKIP aus Großbritannien, sagte: "Das sind wunderbare Nachrichten für die Anhänger von staatlicher Souveränität und Freiheit in ganz Europa."

Die Schweiz hat mit 23 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Ausländeranteil. In Deutschland liegt die Quote bei etwa neun Prozent. Nun sollen die Schweizer Kantone eine Höchstzahl von Einwanderern beschließen.