Ein abgehörtes Telefonat zwischen der ranghohen US-Diplomatin Victoria Nuland und dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, hat zu diplomatischen Verstimmungen geführt. In einem auf YouTube veröffentlichten Clip ist zu hören, wie Nuland in einem vertraulichen Gespräch über die Krise in der Ukraine sagt: "Fuck the EU".

Die Aussage soll sich darauf beziehen, dass die Europäische Union zu wenig Druck auf Präsident Viktor Janukowitsch ausübe. Die Vereinten Nationen seien schneller mit ihren Vermittlungsbemühungen. Laut US-Außenamtssprecherin Jen Psaki habe Nuland inzwischen ihre EU-Partner kontaktiert und sich für den verbalen Ausrutscher entschuldigt. Die Echtheit des vierminütigen Mitschnitts stellte sie nicht infrage.

In US-Regierungskreisen wurde Russland dafür verantwortlich gemacht, die Aufnahme verbreitet zu haben. Regierungssprecher Jay Carney sagte, ein hochrangiger Vertreter der russischen Regierung habe als einer der ersten auf Twitter darauf verwiesen. "Ich denke, das sagt etwas darüber, welche Rolle Russland dabei spielt", zitierte ihn die Washington Post. Auch Psaki sprach von einem "neuen Tiefpunkt" der russischen Spionage.


In dem Mitschnitt wird auch über die Rolle der ukrainischen Oppositionspolitiker und der UN im anhaltenden Konflikt diskutiert. Nuland sagt, Vitali Klitschko solle keinen Posten in einer neuen Regierung bekommen: "Ich glaube nicht, dass das notwendig und eine gute Idee ist." Pyatt stimmt dem zu, bezeichnet Klitschko aber als "Platzhirsch" unter den Oppositionellen.

Urheber des Mitschnitts ist nicht bekannt

Der Clip wurde am Dienstag von einem Nutzer mit dem Namen "Re Post" auf das Videoportal hochgeladen. Wer sich hinter dem Alias versteckt, ist nicht geklärt. Bislang wurde das Video knapp 30.000 Mal aufgerufen.

Nuland ist die für Europa zuständige Staatssekretärin der USA im Außenministerium und damit eine der ranghöchsten Diplomaten des Landes. Sie befindet sich derzeit in Kiew, um im Konflikt zwischen Regierung und Opposition zu vermitteln. Auch die EU versucht, ein Ende der seit zwei Monaten dauernden Krise herbeizuführen.