Der russische Präsident Wladimir Putin hat in seiner ersten offiziellen Äußerung seit dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch dazu aufgerufen, eine weitere Eskalation der Krise zu vermeiden. In Gesprächen mit mehreren europäischen Staatsführern habe Putin "die extreme Bedeutung" betont, keine weitere Eskalation der Gewalt zu erlauben, teilte der Kreml mit. 

Der russische Präsident telefonierte den Angaben zufolge mit dem britischen Premier David Cameron, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy. Dabei habe sich Putin für eine rasche Normalisierung der Lage ausgesprochen. Die Bundesregierung teilte mit, Merkel habe in dem Gespräch ihrer Sorge Ausdruck verliehen, dass sich die Lage in der Ukraine destabilisieren könnte. Merkel und Putin hätten vereinbart, in der Ukraine-Krise eng in Kontakt zu bleiben.

Unterdessen hat US-Außenminister John Kerry in einem Telefongespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow gesagt, er sei besorgt über die militärischen Aktivitäten auf der Krim. Lawrow habe darauf versichert, dass Russland die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine respektieren wolle, sagte Kerry. Lawrow habe aber auch auf russische Interessen verwiesen: Das Land hat einen Marinestützpunkt auf der Krim.

In der Ukraine hatte das Parlament unter dem Druck wochenlanger Massenproteste der proeuropäischen Opposition am Samstag den bisherigen Präsidenten Janukowitsch abgesetzt. Dieser floh nach Russland, wo er sich am Freitag erstmals öffentlich äußerte und seinen Anspruch auf das Präsidentenamt bekräftigte.

In der Folge des Umsturzes in der Ukraine waren die Spannungen auf der mehrheitlich prorussischen Halbinsel Krim gestiegen, es kam zu gewalttätigen Zusammenstößen. International gibt es die Besorgnis vor einer Spaltung der Ukraine oder einem Eingreifen Russlands, um die ethnischen Russen auf der Krim zu schützen. Rund 60 Prozent der Bewohner sind ethnische Russen. Diese Befürchtung wurde verstärkt, nachdem Russland Manöver an der Grenze zur Ukraine angekündigt hatte und 150.000 Soldaten in Alarmbereitschaft versetzte. Am Freitag drangen mehr als zehn russische Militärhubschrauber über der Krim in den ukrainischen Luftraum ein. Die Krim ist auch Heimat der russischen Schwarzmeerflotte. Russland hatte versprochen, die Interessen seiner Bürger auf der Krim zu schützen, ohne dabei militärisch vorzugehen.

Das russische Außenministerium hat zudem angekündigt, die Mitgliedern der ukrainischen Bereitschaftspolizei Berkut mit russichen Pässen auszustatten. Demnach sei das Konsulat in Simferopol damit beauftragt worden "alle nötigen Maßnahmen" einzuleiten. Die Sondereinheit war vor wenigen Tagen aufgelöst worden. Berkut-Polizisten waren zuvor dabei gefilmt worden, wie sie in Kiew mit scharfer Munition in die Menge schossen.

Putin unterstützt Übergangsregierung

Der britische Premier teilte mit, er sei mit Putin übereingekommen, die territoriale Einheit der Ukraine schützen zu wollen. Der russische Präsident habe ihm versichert, das Manöver sei schon vor der Eskalation der Lage in der Ukraine geplant gewesen. Zudem habe Putin ihm zugestimmt, dass die für Mai geplanten Wahlen der beste Weg seien, um allen Ukrainern eine sichere Zukunft zu gewähren. Es sei auch über Finanzhilfen für die Übergangsregierung in Kiew gesprochen worden. 

Die Ukraine ist vom Staatsbankrott bedroht. Die Übergangsregierung wirft der früheren Führung um Janukowitsch vor, das Land ruiniert und Milliardenbeträge abgezweigt zu haben. Ihren Angaben zufolge beträgt der Finanzbedarf für die kommenden zwei Jahre 35 Milliarden Dollar (25 Milliarden Euro).