ZEIT ONLINE: Die Schweizer haben sich mit knapper Mehrheit dafür entschieden, die Zuwanderung auch aus EU-Ländern zu begrenzen. Wollen sie sich wirklich abschotten?

Daniel Bochsler: Das war eine Symbolentscheidung. Viele Leute wollten "den Ausländern" eine Ohrfeige erteilen und nicht wirklich die Beziehungen zur EU beeinträchtigen. Außerdem muss nun die Politik die Entscheidung erst noch umsetzen. Was dabei rauskommt, ist oft sehr weit weg von dem, was zu Beginn solcher Initiativen diskutiert und befürchtet wird.

ZEIT ONLINE: Also eigentlich alles halb so schlimm?

Bochsler: Das kommt darauf an, welche Lehren Politiker aus diesem Ergebnis ziehen. Wenn die Suppe nicht so heiß gegessen wird wie sie gekocht wird, hat das Folgen: dann können sie verantwortungslos jedes radikale Anliegen unterstützen, weil daraus nur symbolische Entscheidungen folgen.

ZEIT ONLINE: Es scheint, dass sich bei Volksentscheiden Populismus oft gegen Argumente durchsetzt. Entscheidet das Volk eher mit dem Bauch als mit dem Kopf?

Bochsler: Die Kopf-gegen-Bauch-Dimension sehe ich da nicht. Der Unterschied zu normalen Wahlen ist eher, dass bei Volksabstimmungen die Entscheidungen spezifischer sind und die Bürger nicht über ganze Bündel abstimmen. 

ZEIT ONLINE: Wie meinen Sie das?