Die EU-Kommission will der vom Staatsbankrott bedrohten Ukraine mit mindestens elf Milliarden Euro beistehen. Das auf mehrere Jahre angelegte Hilfspaket sei der Beitrag der Kommission zu dem am Donnerstag stattfindenden Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs zur Krise in dem Land, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Das Geld soll aus dem Gemeinschaftshaushalt und von EU-Finanzorganisationen kommen. 

Die EU sei zudem bereit, Handelserleichterungen mit der Ukraine vorzuziehen und dem Land mit Gaslieferungen zu helfen, sagte Barroso. Die Hilfen sollen demnach einer "reformorientierten Regierung" in Kiew helfen, die Ukraine in eine stabile Zukunft zu führen. "Die dringendste Priorität der EU ist es, zu einer friedlichen Lösung der Krise beizutragen", sagte Barroso. "Parallel dazu sollte die internationale Gemeinschaft sich engagieren, um der Ukraine bei der Stabilisierung ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Situation zu helfen."

Die wichtigsten Bestandteile des Hilfsangebots sind drei Milliarden Euro aus dem EU-Budget - davon 1,4 Milliarden Zuschüsse und 1,6 Milliarden Euro Kredite. Hinzukommen sollen von der Europäischen Investitionsbank im Zeitraum zwischen 2014 und 2013 rund 3 Milliarden Euro Kredite. Außerdem rechnet die Kommission mit Hilfen der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Höhe von fünf Milliarden Euro.

Die Ukraine braucht nach eigenen Angaben in den nächsten zwei Jahren umgerechnet rund 25 Milliarden Euro. EU-Energiekommissar Günther Oettinger zufolge sind allein für Gasrechnungen an Russland rund 1,45 Milliarden Euro offen. Die USA haben Kiew vorerst einen Hilfskredit von rund 725 Millionen Euro angeboten. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigte sich bereits zur Unterstützung von Kiew bereit; die Organisation macht Hilfspakete aber regelmäßig von der Umsetzung detaillierter Reformprogramme abhängig.

Kontosperrungen für 18 Ukrainer

EU-Diplomaten zufolge friert die Europäische Union zudem die Konten von 18 Ukrainern ein, die sie für Gewalt und Menschenrechtsverletzungen während der politischen Umwälzungen in dem Land verantwortlich macht. Die Namen der Betroffenen sollen demnach am Donnerstag im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden und dann in Kraft treten. Unklar blieb zunächst, ob die Sanktionen auch auf den entmachteten Präsidenten Viktor Janukowitsch oder Angehörige seiner Familie zielen.