Sondereinheiten der brasilianischen Militärpolizei sind in eine Armensiedlung von Rio de Janeiro eingerückt. Mehr als 1.000 Beamte hätten den aus 16 Favelas bestehenden Komplex Maré mit knapp 140.000 Bewohnern besetzt, berichten Lokalmedien.

Der Einsatz habe eine Viertelstunde gedauert, zu größeren Zwischenfällen zwischen bewaffneten Banden und den Sicherheitskräften sei es nicht gekommen. Die Polizei verhaftete mehr als 10 Menschen und beschlagnahmte mehrere Kilogramm Rauschgift.

Die Sicherheitskräfte waren zunächst mit gepanzerten Fahrzeugen der brasilianischen Marine in die Siedlung gefahren. Anschließend besetzten sie strategische Punkte und hissten die Flaggen von Brasilien und Rio de Janeiro. Gouverneur Sergio Cabral sprach von einem historischen Tag. Der Einsatz sei die Antwort des Volkes auf das organisierte Verbrechen gewesen, sagte er der Nachrichtenseite G1.

In den kommenden Tagen sollen Soldaten die Kontrolle über das Stadtviertel übernehmen. Sie sollen dort bis mindestens Ende Juli stationiert werden, also bis nach Ende der Fußball-WM. Anschließend sollen dann 1.500 Beamte der sogenannten Befriedungspolizei (UPP) in die Favelas verlegt werden.

Maré steht seit Jahrzehnten unter der Kontrolle des organisierten Verbrechens. Drogenbanden hatten seit Jahresbeginn von der Armutssiedlung aus versucht, Gebiete zurückzuerobern, die zuvor von Sicherheitskräften besetzt worden waren. Bewaffnete Banden haben in den vergangenen Wochen Polizeiwagen angezündet, mit Pistolen und Granaten auf Polizisten geschossen sowie Gebäude besetzt.

In Brasilien findet vom 12. Juni bis zum 13. Juli die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Das Land erwartet mehr als 600.000 ausländische Touristen. In Rio de Janeiro, einem der zwölf Austragungsorte, findet unter anderem das Endspiel statt. 2016 werden in Rio zudem die Olympischen Sommerspiele ausgetragen.