Ein Bereitschaftspolizist (Ancop) im ehemaligen Bundeswehrlager in Kundus © Can Merey/dpa

Gleich zwei Bundesminister reisten im vergangenen Oktober nach Kundus, um den Afghanen feierlich das deutsche Feldlager zu übergeben. Rund 250 Millionen Euro hatte Deutschland in die Infrastruktur des Camps investiert, 14 Millionen davon noch im Jahr vor dem Ende des Bundeswehr-Einsatzes in der nordafghanischen Stadt.

Die Minister überreichten symbolisch zwei Holzschlüssel, die Bereitschaftspolizei (Ancop) und die Armee (ANA) übernahmen je eine Lagerhälfte. Die Bundeswehr zog ab, die Afghanen zogen ein. Heute ist das Feldlager in einem desolaten Zustand.

An der Einfahrt erinnert noch ein verwittertes Schild an das deutsche Wiederaufbauteam (PRT). "Herzlich Willkommen" steht dort. Die Ummantelung der Sprengschutzwälle ist eingerissen, Kies quillt aus den Löchern. Wo einst Panzerfahrzeuge und schwer bewaffnete Soldaten das Lager sicherten, sitzen nun zwei Ancop-Polizisten auf einer Bank in der Sonne beim Mittagessen.

Straßen im Lager haben sich abgesenkt, vor eine der Gefahrenstellen haben die Afghanen ein von den Deutschen zurückgelassenes Halteverbotsschild als Warnung aufgestellt. Der Asphalt hat Risse, die Wassergräben neben den Wegen sind eingebrochen. Bäume und andere Pflanzen vertrocknen.

Wie eine Geisterstadt

Die meisten Gebäude – darunter die raketensichere Verpflegungshalle und die Wohn- und Bürocontainer – wurden vom afghanischen Innenministerium versiegelt, nachdem die Bundeswehr abgezogen war. Sie stehen leer. Aus dem Innenministerium in Kabul heißt es, es sei nicht endgültig entschieden, wie das Camp weiter genutzt werden solle.

Einst arbeiteten in dem Feldlager mehr als 1.400 deutsche und Hunderte weitere Soldaten. Heute wirkt das Camp wie eine Geisterstadt. Nur knapp 130 Polizisten sind auf der Ancop-Hälfte untergebracht – und sie sind nicht glücklich.