Bundespräsident Joachim Gauck legt am 07.03.2014 am Mahnmal von Lingiades in Griechenland einen Kranz nieder © Wolfgang Kumm/dpa

Bundespräsident Joachim Gauck hat in Griechenland um Verzeihung für die Verbrechen der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gebeten. "Mit Scham und Schmerz bitte ich im Namen Deutschlands die Familien der Ermordeten um Verzeihung", sagte Gauck beim Besuch des nordgriechischen Bergdorfs Lyngiades, das 1943 von Soldaten der Wehrmacht in einer Vergeltungsaktion zerstört worden war.  

"Ich verneige mich vor den Opfern der ungeheuren Verbrechen", sagte Gauck. Er wolle "aussprechen, was Täter und viele politische Verantwortliche der Nachkriegszeit nicht aussprechen wollten: Das, was geschehen ist, war brutales Unrecht."

Gauck äußerte Bedauern darüber, dass sich die Verantwortlichen des Verbrechens nie selbst zu ihrer Schuld bekannt hätten. "Ich wünschte so sehr, längst hätte einer gesagt, der damals Befehle gegeben und ausgeführt hat: 'Ich bitte um Entschuldigung.' Oder: 'Es tut mir so unendlich leid.' Oder: 'Ich bereue, dass ich verbrecherischen Befehlen gefolgt bin.'" Es seien "diese nicht gesagten Sätze, die eine zweite Schuld begründen, da sie die Opfer sogar noch aus der Erinnerung verbannen".

Zuvor hatte sich Gauck im Gespräch mit dem griechischen Präsidenten Karolos Papoulias zur moralischen Schuld Deutschlands bekannt, Reparationsforderungen allerdings zurückgewiesen.

Aus Rache für das tödliche Attentat auf einen deutschen Regimentskommandeur waren deutsche Soldaten am 3. Oktober 1943 in das Dorf Lyngiades einmarschiert und ermordeten wahllos die Bewohner. 83 Menschen wurden getötet, die meisten von ihnen Frauen, Kinder und Alte. Die Häuser wurden niedergebrannt. Am Mahnmal für die Opfer legte Gauck einen Kranz nieder.