Ein türkisches Gericht hat Medienberichten zufolge die Aufhebung der Sperre des Onlinedienstes Twitter angeordnet. Wie der Fernsehsender NTV berichtet, wird das Gericht in Ankara die Telekommunikationsbehörde (TIB) anweisen, die Sperre aufzuheben. Zunächst sei aber unklar, ob dies ein Ende der Sperre bedeute. Die Telekombehörde könne gegen die Entscheidung Widerspruch einlegen.

Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte den Zugang zu dem Online-Kurznachrichtendienst in der Nacht zum Freitag sperren lassen. Der Ministerpräsident verurteilte die vermeintliche Doppelmoral von Twitter: Der Dienst sperre Konten, wenn es die USA oder Großbritannien verlangten, poche aber auf Meinungsfreiheit, wenn die Türkei, die Ukraine oder Ägypten Einträge monierten. "Dies ist keine Bananenrepublik", sagte Erdoğan.

An der Sperre gab es in der Türkei und international Kritik. Der türkische Präsident Abdullah Gül schrieb via Twitter, Social-Media-Plattformen gänzlich zu sperren sei nicht zu billigen.

Auch die Bundesregierung hatte die Blockade kritisiert. Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz sagte, sie entspreche nicht dem, "was wir unter freier Kommunikation in Deutschland verstehen". Das Auswärtige Amt bemängelte, es gebe in der Türkei seit Längerem Defizite in der Informations- und Meinungsfreiheit.