ZEIT ONLINE: Herr Ponomarjow, warum haben Sie gegen die Annexion der Krim gestimmt? 

Ilja Ponomarjow: Ich bin gegen Krieg. Mit dieser Abstimmung haben wir die Ukraine verloren. Die Ukrainer haben angefangen, über die Russen als ihre Feinde zu denken. Dabei sind wir Brüder, unsere Sprache ist fast dieselbe, wir haben eine gemeinsame Kultur. Wir haben Jahrzehnte in einem Staat zusammengelebt. Die Grenzen zwischen uns sind künstlich, so wie die damals zwischen Ost- und Westdeutschland. 

ZEIT ONLINE: Warum waren Sie der einzige Abgeordnete in der Duma, der dagegen gestimmt hat? 

Ponomarjow: Weil zurzeit dieser patriotische Furor im Land herrscht. Die Leute haben Angst, dass sie zum Feind des Präsidenten werden, wenn sie nicht richtig abstimmen. Das ist sehr traurig und zeigt, dass das politische System in unserem Land nicht gesund ist.

ZEIT ONLINE: Dann ganz allein anders abzustimmen, muss schwierig sein. Wie haben Sie sich danach gefühlt?

Ponomarjow: Sehr unbequem. Aber ehrlich gesagt hatte ich dieses Gefühl schon zwei Tage vorher, als der Präsident seine Rede (zur Annexion der Krim, Red.) gehalten hat und alle jubelten – und ich der einzige war, der sitzen geblieben ist.

ZEIT ONLINE: Welche Reaktionen gab es nach der Abstimmung?

Ponomarjow: Es gab Leute, die mir gesagt haben, dass ich das Richtige gemacht habe, aber die Leute an der Macht haben mich verdammt. Selbst die Liberal-Demokratische Partei will jetzt auch erreichen, dass mir mein Mandat entzogen wird. 

ZEIT ONLINE: Wird die politische Repression in Russland jetzt schlimmer? In jüngster Zeit haben sowohl Oppositionelle wie Alexej Nawalny als auch unabhängige Medien viele Rückschläge erlebt. 

Ponomarjow: Wir Russen haben ein Sprichwort: Wer die Wölfe fürchtet, soll nicht in  den Wald gehen. So ist es zurzeit. Aber diesen Weg habe ich schon vor langer Zeit gewählt: Man tut, was man tun muss; und was kommt, kommt.

ZEIT ONLINE: Gibt es zurzeit überhaupt eine echte Opposition in der Duma? 

Ponomarjow: Wie Sie gesehen haben, gibt es eine, aber sie ist sehr klein (lacht).

ZEIT ONLINE: Es gibt Leute, die behaupten, dass Putin die Krim annektiert hat wegen der wirtschaftlichen Probleme Russlands. Was halten Sie davon?