Palästinenser im Flüchtlingslager Dschenin tragen eins der vier Opfer der israelischen Militäraktion. © Mohamad Torokman/Reuters

Im Flüchtlingslager Dschenin im Westjordanland haben israelische Soldaten vier Palästinenser erschossen. Nach Angaben des israelischen Militärs wurde bei dem Einsatz am frühen Samstagmorgen zunächst das wegen Terrorismus gesuchte Hamas-Mitglied Hamsa Abu Alhidscha bei einem Gefecht getötet. Bei Unruhen seien drei weitere Palästinenser erschossen worden. Laut palästinensischen Angaben gab es sechs weitere verletzte Bewohner des Lagers; nach Militärangaben wurden auch zwei Israelis verletzt.

"Alhidscha war eine tickende Bombe, es war klar, dass wir handeln mussten", sagte Israels Armeesprecher Peter Lerner. Der Gesuchte habe Weisungen der im Gazastreifen herrschenden Hamas erhalten. Seine Planungen für weitere Anschläge hätten sich in einem fortgeschrittenen Stadium befunden. Alhidscha habe sich beim Eintreffen der Israelis in einem Haus verschanzt. Der Aufforderung, das Gebäude zu verlassen, hätten alle anderen Personen außer Alhidscha Folge geleistet.

Einen in das Gebäude geschickten Kampfhund habe der Palästinenser erschossen, sagte Lerner. Der Gesuchte habe versucht zu fliehen, dabei das Feuer eröffnet und zwei Israelis verletzt. Daraufhin sei er erschossen worden. Anschließend seien in den engen Gassen des Lagers "extrem gewalttätige" Unruhen ausgebrochen, bei denen die Israelis mit Schusswaffen, Sprengkörpern und Steinen angegriffen worden seien.

Die Palästinenserführung verurteilte Israels Vorgehen scharf. Sie forderte die USA auf, Druck auf Israel auszuüben. Die Gewalt in Dschenin sei "Teil einer systematischen Politik Israels, alles zu zerstören. Wir fordern die USA auf, sofort einzugreifen, bevor Israel alles sabotiert hat", sagte der Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.