Die Via Garibaldi in Venedig © Paul Mayall/dpa

Geht es nach einem Online-Referendum, wünscht sich die große Mehrheit der Bewohner der Region Venetien einen unabhängigen Staat. Innerhalb eines einwöchigen Abstimmungszeitraums votierten 89 Prozent für die Unabhängigkeit von Italien, hieß es bei der Veröffentlichung des Endergebnisses.

Etwa 73 Prozent der 3,8 Millionen Wahlberechtigten hatten sich nach Angaben der Organisatoren an dem "Venetien-Unabhängigkeitsreferendum" beteiligt. Zu der Region gehören neben Venedig unter anderem die Städte Treviso, Vicenza und Verona. 

Als das Ergebnis in Padua verkündet wurde, brachen Hunderte Menschen in Jubel aus und schwenkten venezianische Flaggen. Für die örtlichen Parteien, welche die Abstimmung organisiert hatten, ist es ein Erfolg: Es zeigt den Rückhalt der Bevölkerung für ein offizielles Referendum. Überprüfbar ist das Ergebnis allerdings nicht. Der Fernsehsender Rai hatte gezeigt, dass es einfach war, sich online auch als nicht Wahlberechtigter für das Votum zu registrieren.

"Rom denkt, dass es noch immer ein Kaiserreich gibt"

Vor allem die rechtspopulistische Lega Nord hatte die Initiative unterstützt. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia von der Lega Nord, hatte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch gesagt: "Rom denkt, dass es immer noch an der Spitze eines Kaiserreichs steht und betrachtet uns als Vorort dieses Reichs." Die Menschen in Venetien dienten nur als Steuerzahler, sagte er und betonte, dass mehr als die Hälfte Italiens bankrott sei, Venetien aber mit keinem einzigen Cent verschuldet. Der Regionalregierung zufolge zahlt Venetien 21 Milliarden Euro mehr an Rom, als es von dort an Zuwendungen bekommt.

Mit Blick auf ähnliche Bestrebungen in Europa – unter anderem in Katalonien und in Schottland, wo im September ein Volksentscheid zur Unabhängigkeit stattfindet – sagte Zaia, Venetien könne das genauso gut. "Wir haben höflich an die Tür des Föderalismus geklopft, aber sie hat sich nicht geöffnet", sagte er vor Kurzem der Zeitung Liberoquotidiano. "Nun schlagen wir sie ein." Er sieht außerdem das internationale Recht auf seiner Seite.

Offizielles Referendum wäre wohl verfassungswidrig

Für die Partei Unabhängiges Venetien, die ebenfalls das Online-Referendum unterstützt hatte, spielt vor allem die Unzufriedenheit der Bürger mit der Politik in Rom eine Rolle. Sie werfen der Führung Unfähigkeit im Kampf gegen Korruption und die Wirtschaftsflaute vor. "Wir wollen nicht länger zu einem Land gehören, das gegen die Wand fährt", sagte Parteimitglied Nicola Gardin. "Nichts funktioniert hier mehr."

Befürworter einer eigenständigen Republik berufen sich auf das historische Vorbild der Republik Venedig – ein wirtschaftlich und kulturell bedeutendes Handelszentrum mit Venedig als Hauptstadt. Sie existierte etwa vom 7. bis zum 18. Jahrhundert und wurde erst 1797 von Napoleon zu Fall gebracht. 

Für eine offizielle Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit der Region müsste nun zunächst der Regionalrat zustimmen, dann müsste die Regionalregierung ihr Vorhaben ins Parlament in Rom einbringen. Regionalpräsident Zaia hatte am Mittwoch bereits eingeräumt, dass die Zentralregierung das Vorhaben dann wohl als nicht verfassungskonform einstufen werde. Dennoch zeigte er sich siegessicher. "Dagegen wird die Region Berufung einlegen", sagte er, so lange, bis Venetien am Ziel sei.