Uniformierte an einem ukrainischen Militärstützpunkt in Perewalnje nahe Simferopol © Spencer Platt/Getty Images

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) will Beweise dafür haben, dass das russische Militär für die Straßenblockaden auf der Krim verantwortlich ist. Die Beobachter hätten während ihrer einwöchigen Mission in der Ukraine beträchtliche Beweise für die Anwesenheit russischer Soldaten auf der Krim gesichert, teilte die Organisation mit. Als Beispiele nennt sie die Ausrüstung der "Selbstverteidigungskräfte" sowie Nummernschilder von Lastwagen. Die Expertengruppe wurde mehrmals an verschiedenen Kontrollpunkten von stark Bewaffneten am Zugang zur ukrainischen Halbinsel abgehalten.

Die OSZE liefert nicht den einzigen Beleg für die russische Besatzung: Beiläufig hat das Mediensprachrohr der Regierung in Moskau bestätigt, dass die auf die Krim eingerückten Uniformierten dem russischen Militär angehören. Die staatliche Nachrichtenagentur Ria Novosti schrieb in Meldungen, auf die Krim seien infolge des Sturzes der ukrainischen Regierung in Kiew "russische Truppen" eingerückt. Darauf aufmerksam gemacht, rückte die Redaktion jedoch wieder leicht davon ab.

Die Meldungen finden sich im englischsprachigen Dienst der Staatsagentur, der sich an die Weltöffentlichkeit richtet. Noch am Wochenende hieß es, auf die Krim seien in den vergangenen Wochen "ungekennzeichnete Soldaten" eingerückt. Zuvor formulierte die Agentur im distanzierten Stil, Russland sei beschuldigt, die Separatisten auf der Krim zu unterstützen, indem es Tausende von Kräften dorthin entsende.

Die Einsatzkräfte, die vor wenigen Wochen auf der Krim Stützpunkte des ukrainischen Militärs besetzten und seitdem die Grenze kontrollieren, tragen keine nationalen Kennzeichen und verweigerten bisher Auskunft über ihren Auftrag. Sie waren in den vergangenen Wochen mit Fahrzeugen ohne Schilder auf die ukrainische Halbinsel gekommen.

Unter Beobachtern und Reportern auf der Halbinsel war schon früh klar, dass es sich bei den Uniformierten um russische Soldaten handeln muss. International kritisierten politisch Verantwortliche die Besetzung der autonomen ukrainischen Region Krim als völkerrechtswidrig. USA und EU verhängten erste Sanktionen gegen Russland.

Die unerwartete Offenheit der Staatsagentur könnte auch damit zusammenhängen, dass sie derzeit in einer Umstrukturierung begriffen ist: Sie soll in einem geplanten Staats-Medienunternehmen aufgehen. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Passage infolge interner Machtkämpfe an die Öffentlichkeit geriet oder dass ein Mitarbeiter aus Protest gegen die offizielle Kreml-Linie handelte.  

Ria Novosti verweigert Antwort

Fragen nach der Quelle der Information von ZEIT ONLINE ließ Ria Novosti trotz Nachhakens unbeantwortet. Die Reaktion der Staatsagentur ist vielmehr in der laufenden Berichterstattung ablesbar: So war am Mittwoch wieder von "ungekennzeichneten Truppen" die Rede, die mit Militärfahrzeugen mit "russischen Schildern" auf die Krim gekommen wären. An anderer Stelle hieß es, Truppen ohne Kennzeichen hätten Uniformen getragen, wie sie das russische Militär nutzt. 

Denn Präsident Wladimir Putin hatte, auf die Truppenpräsenz angesprochen, stets darauf beharrt, dass Russland die Interessen der auf der Krim lebenden russischen Bevölkerungsmehrheit schützen werde. Er bestritt aber, dass die eingerückten Uniformierten zu seinem Militär gehören. Er sprach von lokalen Milizen. Putins Militärführer machten darauf aufmerksam, dass ein bilateraler Vertrag mit der Krim über die dort stationierte russische Schwarzmeerflotte die Entsendung von bis zu 25.000 russischen Soldaten erlaubt – was sich zumindest als indirekte Bestätigung der Truppenaufstockung lesen lässt. 

Janukowitsch hält sich für legitimiert

Mittlerweile hat das von russlandnahen Kräften dominierte Regionalparlament der Krim sich von der Ukraine formell losgesagt. Die regional zuständige Behörde sperrte den Luftraum für Verkehrsmaschinen. Am Sonntag soll die mehrheitlich russischstämmige Bevölkerung der Krim über eine Angliederung an Russland entscheiden – eine Mehrheit dafür gilt als sicher. Das Parlament in Moskau will sich nächste Woche mit dem Ergebnis befassen. Eine Billigung des Beitritts zu Russland ist zu erwarten, da Russland auf der Krim so seine Präsenz in der Schwarzmeerregion deutlich ausbauen kann. 

Oppositionelle hatten vor Wochen in Kiew die Regierung des russlandtreuen Präsidenten Viktor Janukowitsch gestürzt und eine Übergangsregierung berufen. Janukowitsch flüchtete sich nach Russland. Er hält sich nach wie vor für den legitimen Präsidenten der Ukraine, wie er am Dienstag in einem Pressestatement bekräftigte.