Ein prorussischer Wachmann steht am Checkpoint Chongar an einem Zugang zur Krim. © Alexander Nemenov/AFP/GettyImages

Militärbeobachtern der Organisationen für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist erneut der Zugang zur ukrainischen Halbinsel Krim verwehrt worden. Das teilte die OSZE in Wien mit. Die zivilen und militärischen Beobachter, die sich zur Berichterstattung über die aktuelle Lage auf die Krim begeben wollten, seien nach dem Abfeuern von "wahrscheinlich drei Schüssen" von Seiten prorussischer Einheiten umgekehrt. Verletzt wurde niemand. Der Gruppe wurde gesagt, sie hätte keine Berechtigung, die Krim zu betreten. Die OSZE-Delegation wollte nach dem Zwischenfall in die ukrainische Stadt Cherson zurückkehren.

An einem Kontrollposten bei Armjansk hielten bewaffnete Männer unbekannter Herkunft den Bus mit den OSZE-Beobachtern an. "Sie hatten ihre Waffen entsichert", sagte ein Diplomat, der in Kontakt zur OSZE-Mission steht, zum Vorgehen der Uniformierten. Vor dem Bus mit den Beobachtern seien zwei Salven abgefeuert worden, damit dieser sich nicht weiter nähere. Das Fahrzeug sei dabei aber nicht getroffen worden.

Bis zum Ende der Mission am 12. März würden alle unterschiedlichen Strecken ausprobiert und alle diplomatischen Mittel genutzt werden, sagte die Sprecherin der OSZE. Prorussische Bewaffnete hatten den Beobachtern bereits am Donnerstag und Freitag an unterschiedlichen Kontrollposten den Zugang zur Krim verwehrt. Die rund 50 Experten aus 28 Ländern sollen die militärischen Aktivitäten Russlands in der Ukraine beobachten.

Erstmals in der Krim-Krise haben sich Vertreter von Russland und der Ukraine zu einem Gespräch getroffen. Der russische Vizeaußenminister Grigori Karassin sei in Moskau mit dem ukrainischen Botschafter Wladimir Jeltschenko zusammengekommen, teilte das russische Außenministerium mit: "In aufrichtiger Atmosphäre wurden Fragen der russisch-ukrainischen Beziehungen besprochen." Moskau erkennt die prowestliche neue Führung in Kiew nicht an. Die Ukraine hatte Russland mehrfach zum Dialog aufgefordert.

Russland drohte den USA derweil im Falle weiterer Sanktionen mit einem Stopp der gegenseitigen Waffeninspektionen. Die Kontrolle etwa von Atomarsenalen erfordere Vertrauen, aber die "unbegründeten Drohungen" der USA und Nato seien eine "unfreundliche Geste", sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Russland und die USA haben sich in einem seit 2011 gültigen Vertrag zu einer Verringerung strategischer Offensivwaffen sowie zu gegenseitigen Besuchen von Inspekteuren verpflichtet.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow ist zu einem "ehrlichen Dialog auf Augenhöhe" über die Krim bereit, sofern sein Land nicht als Konfliktpartei angesehen werde. Er sagte, die Krise sei "nicht von uns provoziert" worden, sondern "trotz unserer wiederholten Warnungen". Die Übergangsregierung in Kiew nannte er eine Marionette von "radikalen Nationalisten, die mit Gewalt die Macht ergriffen haben". Die Regierung sei nicht in der Lage, Sicherheit zu gewährleisten, und habe keine Kontrolle über radikale Gruppen.

"Krim bleibt ukrainisch"

Die neue Regierung in der Ukraine bekräftigte hingegen erneut ihren Anspruch auf die Halbinsel. "Die Krim war, ist und bleibt ukrainisch", sagte der ukrainische Außenminister Andrej Deschtschiza. Beim Verfassungsgericht in Kiew liege eine Anfrage von Übergangspräsident Alexander Turtschinow vor, ob das Referendum über einen Beitritt der Krim zu Russland mit den Gesetzen vereinbar sei. Deschtschiza forderte die Regierung der Krim auf, nicht länger den Zugang für internationale Beobachter zu blockieren.

Im Streit um das Referendum gibt sich der Chef der prorussischen Autonomieregierung der Krim kompromisslos. Sergej Axjonow sagte laut Itar-Tass im russischen Fernsehen, das Parlament auf der Halbinsel habe mit seinem Votum, das Volk am 16. März über einen Anschluss an Russland entscheiden zu lassen, den Willen der Krim-Bevölkerung einstimmig umgesetzt. Niemand könne das Referendum absagen. Es sei so kurzfristig angesetzt worden, um Provokationen zu vermeiden.

In mehreren Städten im Osten der Ukraine gingen am Samstag tausende Menschen auf die Straße und forderten einen Beitritt zu Russland. Über der Kundgebung auf dem Lenin-Platz in Donezk wehte die Sowjetfahne.

Einnahme von Grenzposten im Osten der Krim

Auf der Krim kam es nach ukrainischen Angaben in der Nacht zum Samstag zu einem Zwischenfall mit russischen Soldaten. Ukrainische Grenzschützer seien aus einem Außenposten im Osten der Halbinsel vertrieben worden, teilten die Grenztruppen laut einem Bericht des ukrainischen Senders ITV mit. Die Soldaten hätten mit ihren Familien ihre Wohnungen mitten in der Nacht verlassen müssen. Die Russen seien rabiat vorgegangen und hätten einen Offizier geschlagen, der sich ihnen widersetzte. Außerdem sei ein Waffenlager konfisziert worden. Eine unabhängige Bestätigung für diesen Bericht gibt es nicht.

Prorussische Soldaten hatten ukrainischen Angaben zufolge auch versucht, einen Militärstützpunkt auf der Krim zu übernehmen. Sie seien am Freitagabend mit einem Laster in den Zaun des Lagers gefahren, sagte der stellvertretende Kommandeur des Stützpunktes, Witali Onischtschenko. Drei Dutzend Soldaten hätten den Strom ausgeschaltet, die Telefonverbindungen zerschnitten und die ukrainischen Truppen gedrängt, ihre Waffen auszuliefern und Russland Loyalität zu schwören. Gegen Mitternacht seien die Eindringlinge jedoch verschwunden. Es seien keine Schüsse gefallen.

Damit versuchen prorussische Kräfte offenbar, die letzten ukrainischen Militärstützpunkte auf der Krim zu übernehmen, die noch nicht unter ihrer Kontrolle waren. Die Zugänge zu der Halbinsel sind bereits dicht gemacht. Die neuen Führer auf der Krim teilten mit, die rund 11.000 prorussischen Soldaten würden nun alle Zugänge kontrollieren. Alle militärischen Stützpunkte, die ukrainische "Okkupanten" noch nicht aufgegeben hätten, seien blockiert. Russland hatte abgestritten, mit seinen Kräften auf der Krim im Einsatz zu sein. Allerdings waren Soldaten von Lastwagen mit russischen Kennzeichen transportiert worden.