Der US-Geheimdienst NSA hat einem Medienbericht zufolge Informationen über 122 Staats- und Regierungschefs in einer speziellen Datenbank gesammelt. Allein über Bundeskanzlerin Angela Merkel seien darin mehr als 300 Berichte gespeichert, berichtet der Spiegel unter Berufung auf ein geheimes NSA-Dokument aus dem Archiv des Whistleblowers Edward Snowden

Auf der alphabetisch geordneten Liste mit "hochrangigen Zielen", über die die NSA im Jahr 2009 Informationen sammelte, tauchen demnach neben Merkel auch der syrische Diktator Baschar al-Assad oder Julija Timoschenko auf, die damals noch ukrainische Premierministerin war. Als Quelle werde in dem Dokument unter anderem eine Datenbank genannt, die abgeschöpfte Kommunikationsmetadaten aus aller Welt enthält.

Die NSA-Datenbank diente demnach dazu, "über Zielpersonen Informationen zu finden, die sonst schwer aufzufinden seien", zitiert der Spiegel aus dem Geheimdokument. Es belege, dass die NSA nachrichtendienstliche Erkenntnisse über die Kanzlerin gesammelt habe. Damit könne es ein wichtiges Beweisstück für die Bundesanwaltschaft sein, die in Kürze entscheiden will, ob sie wegen der Ausspähung der Kanzlerin ein Ermittlungsverfahren gegen die NSA einleitet. Bisher ging es dabei vor allem um das Abhören von Merkels Handy durch den Geheimdienst.

Im Oktober 2013 war bekannt, dass die NSA nicht nur die Daten von Millionen Bundesbürgern sammelte, sondern auch das Handy der Kanzlerin jahrelang abhörte. Auch die Telefongespräche von 35 weiteren Regierungschefs sollen ausspioniert worden seien.

Das Magazin berichtet auch über ein weiteres Dokument aus der NSA-Abteilung Special Sources Operations, die für den Zugang zu den großen Internettrassen zuständig sei. Daraus gehe hervor, dass das für NSA-Anträge zuständige US-Sondergericht den Geheimdienst am 7. März 2013 autorisiert habe, Deutschland zu überwachen. Welche Daten davon genau betroffen seien, lasse sich anhand des Dokuments nicht sagen.

Der Spiegel beruft sich aber auf die Einschätzung der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation ACLU. Diese gehe davon aus, dass der NSA damit der Zugriff auf die Kommunikation aller deutschen Staatsbürger erlaubt ist.