Russlands Präsident Wladimir Putin. © Mikhail Metzel/dpa

Bevor ein Krieg ausbricht, suchen die meisten Regierungen Gründe, die einen Militäreinsatz unumgänglich und erklärbar machen. Der berühmteste Kriegsgrund der jüngeren Geschichte waren die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. Die gab es nie, aber deswegen marschierte das US-Militär vor elf Jahren in den Irak ein.

Das Eingreifen des russischen Militärs in der Ukraine hat wohl vor allem sicherheitsstrategische Gründe. Obwohl der russische Marinestützpunkt auf der Krim in einem Pachtvertrag mit der Ukraine für die nächsten 30 Jahre gesichert ist, fürchtet Putin wohl um seine Schwarzmeerflotte. Dazu hat er sicher Bedenken, dass die Ukraine unter einer neuen Regierung der Nato beitreten könnte. Eigentlich wurde die Osterweiterung in den Verhandlungen zur deutschen Einheit im Jahre 1990 ausgeschlossen. Doch danach traten bereits andere ehemalige Sowjetrepubliken wie die Baltikländer und Polen, Tschechien sowie Ungarn dem Militärbund bei.

Offiziell hört man diese Beweggründe nicht aus Moskau. Stattdessen werden drei andere Erklärungen genannt, die Russland fast keine andere Wahl ließen, als die Ukraine zu besetzen:

1. Die Sicherheit der Russen auf der Krim ist bedroht

Als am Samstag die Staatsduma und auch der Föderationsrat in Moskau dem russischen Präsidenten die Legitimation für ein militärisches Eingreifen in der Ukraine gab, nannten die Abgeordneten den Schutz der dort lebenden Russen als einen Hauptgrund. Bis zur "Normalisierung der sozio-politischen Situation" in der Ukraine sei es deshalb die Aufgabe des russischen Militärs, die Lage zu stabilisieren.

Tatsächlich war es das russische Militär selbst, das die Lage destabilisierte. Seit einigen Tagen hatten Soldaten ohne Erkennungsabzeichen, die nach Ansicht vieler Beobachter aber aus Russland kamen, die Übernahme der Krim vorbereitet. Sie besetzten das Parlament, den Ministerrat, Flughäfen, Telekommunikationseinrichtungen. Russische Militärflugzeuge und -Helikopter stiegen in die Luft, Schützenpanzer fuhren auf den Straßen. Sergej Aksjonow, Chef der Partei Russische Einheit, erklärte sich sogleich am Donnerstag zum neuen Ministerpräsidenten der Krim. "Ich bin mir sicher, dass uns die Russische Föderation in dieser schwierigen Zeit die Hand reicht", sagte er. Und er täuschte sich nicht. Samstagmittag begann das russische Konsulat auf der Krim, russische Pässe auszugeben, die Sondereinsatzpolizisten Berkut bekamen zuerst welche.

Zu gewalttätigen Auseinandersetzungen oder gefährlichen Schusswechseln soll es währenddessen nicht gekommen sein. Bis Samstagabend war es in Simferopol, der Hauptstadt der autonomen Region Krim, ruhig. Die Bewohner gingen einkaufen oder in eine der Bars. Auch ein Gesetzesentwurf, wonach Russisch als Amtssprache in der Ukraine wieder abgeschafft werden sollte, wurde vom Übergangspräsidenten zurückgewiesen, um die Russen in der Ostukraine nicht zu provozieren.