In der abtrünnigen Region Transnistrien der früheren Sowjetrepublik Moldau haben russische Truppen ein Manöver begonnen. Die Panzergrenadiere übten den Schutz friedlicher Bürger in einem möglichen Kriegsgebiet, sagte Oberst Oleg Kotschetkow der Agentur Interfax.

Transnistrien hatte sich 1992 nach einem Bürgerkrieg von Moldau abgespalten, wird international aber nicht anerkannt. Etwa 2.000 sogenannte Friedenssoldaten Russlands sind dort stationiert. Seit Jahren gibt es Forderungen nach einem Beitritt zur Russischen Föderation. Im angrenzenden ukrainischen Gebiet Odessa verstärkten die Behörden den Grenzschutz.

Angesichts der Besetzung der Krim sorgen sich die Staatspräsidenten Rumäniens und der Republik Moldau um die Situation in Transnistrien. Die Staatschefs der beiden Nachbarländer hatten sich am Mittwoch nahe der Grenze zur Moldau getroffen, um die Lage zu besprechen.

Es liege im Interesse beider Länder, dass "die Atmosphäre ruhig bleibt und die Haltungen konstruktiv", hatte der moldauische Staatspräsident Nicolae Timofti gesagt. Man müsse Maßnahmen treffen, um "Ereignissen wie jenen zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine in Bezug auf die Republik Moldau vorzubeugen", sagte sein rumänischer Kollege Traian Băsescu.

Moldau soll EU beitreten

"Wir verfügen über Informationen, denen zufolge konkrete Dinge unternommen werden, um die Situation zu destabilisieren", sagte Timofti. Er gab zu verstehen, dass der Sprecher des transnistrischen Parlaments in Moskau für eine Angliederung an Russland geworben habe. "Solche Handlungen sind kontraproduktiv, sie nutzen niemandem – weder Moldau noch Russland", sagte Timofti dazu. Ein ähnliches Vorgehen Russlands wie auf der Krim wäre aus seiner Sicht ein "Fehler". Schon das dortige Abspaltungsreferendum sei illegal gewesen, Gleiches gelte für darauf aufbauende Beschlüsse.

Ein Weg, um die Sicherheit von Moldau zu garantieren, sei eine Beschleunigung des EU-Beitrittsprozesses. Băsescu versprach, sich in Brüssel dafür einzusetzen, dass die frühere Sowjetrepublik eine konkrete EU-Beitrittsperspektive bekomme. 

In Transnistrien sind 60 Prozent der Bewohner russischsprachig, etwa jeder zweite ist Russe. Das abtrünnige Gebiet wird von Moskau zudem wirtschaftlich und politisch unterstützt. Im Jahr 2006 stimmte die Bevölkerung von Transnistrien mit 97,1 Prozent für die Angliederung an Russland. Der schmale Landstreifen am Ostufer des Dnjestr-Flusses ist heute faktisch eine russische Exklave im Vorhof Europas.