Ein schwerbewaffneter Soldat unter einer russischen Flagge vor dem Sitz der Regionalregierung der Krim in Simferopol © REUTERS/Thomas Peter

Das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine ist seit Jahrhunderten kompliziert. Beide Staaten eint ihre gemeinsame Geschichte, lange Zeit waren beide Völker eins. Wer die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern verstehen will, muss ihre Geschichte mit berücksichtigen. Denn das Bewusstsein für das Werden und die Historie der eigenen Nation prägt häufig das Handeln der Regierungen und ihre jeweilige Unterstützung in der Bevölkerung.

Der Ursprung des heutigen Russlands, der Ukraine sowie Weißrusslands liegt im Kiewer Rus. In dem Gebiet siedelte im frühen Mittelalter ein gleichnamiges Wikingervolk, das im 9. Jahrhundert den ersten ostslawischen Staat gründete. Im Osten wurde daraus später das russische Zarenreich. Der Westteil geriet im 16. Jahrhundert unter polnische Herrschaft.

Infolge der polnischen Teilungen fielen große Teile der Ukraine an Russland, nur der äußerste Westen, Galizien, ging an das Habsburgerreich Österreich-Ungarn. Nach mehreren russisch-türkischen Kriegen eroberte das Zarenreich im 18. Jahrhundert weite Teile der heutigen Südukraine einschließlich der Krim von den unter osmanischer Hoheit herrschenden Krimtataren. Das Gebiet wurde unter dem Fürsten Grigori Potjomkin mit Siedlern aus Zentralrussland besiedelt. Die Krim wurde 1783 von Katharina der Großen "für alle Zeiten" annektiert.  

Kleinrussland oder eigener Staat

Im Zarenreich wurde die Ukraine als Kleinrussland bezeichnet, mit Bezug auf das historische Kernland um Kiew. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich jedoch vor allem in der Westukraine, unter polnischen und österreichischem Einfluss, eine ukrainische Identität. Ihre Anhänger strebten einen eigenen, westorientierten Nationalstaat an.

Nach der russischen Oktoberrevolution 1917 und dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns am Ende des Ersten Weltkriegs entstand für wenige Jahre eine ukrainische Republik. Aber schon 1920 wurde sie von der Roten Armee besetzt. 1921 fiel durch den Frieden von Riga die Westukraine an Polen, Rumänien und die Tschechoslowakei. Der übrige Teil wurde als ukrainische Sowjetrepublik Teil der UdSSR.

Für die junge Sowjetunion war die Ukraine vor allem eine wichtige "Kornkammer". Während der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft unter Stalin verhungerten etwa 2,3 Millionen Menschen, den sogenannten Holodomor.

Im Zweiten Weltkrieg besetzte die Wehrmacht die Ukraine und richtete schreckliche Kriegsverbrechen an. Schätzungsweise 6,5 Millionen Menschen starben, darunter bis zu eine Million Juden. Partisanen kämpften gegen die deutschen Besatzer. Im Westen des Landes jedoch kämpfte eine Unabhängigkeitsbewegung auch gegen die vorrückende sowjetische Armee und die polnische Bevölkerung.