Deutsche Firmen haben nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des NDR eine größere Rolle beim Aufbau des syrischen Giftgasprogramms gespielt als bisher bekannt. Dies gehe aus einer Mitteilung der unabhängigen internationalen Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) an die Bundesregierung hervor, berichtet die SZ.

Demnach hat die OPCW dem Auswärtigen Amt eine Liste mit mehr als 50 Lieferungen deutscher Firmen übermittelt, die von 1982 bis 1993 an Syrien gegangen sein sollen. Dem Dokument zufolge wurden in dieser Zeit Steuerungsanlagen, Pumpen, Kontrollventile, Gas-Detektoren und eine Chemiewaschanlage geliefert. 

Darüber hinaus wurden 2.400 Tonnen einer Schwefelsäure nach Syrien verkauft, die zur Produktion des Giftgases Sarin genutzt werden kann. Wie die Bauteile und die Schwefelsäure verwendet wurden, ist nicht bekannt.

Die OPCW-Liste wurde an den Generalbundesanwalt übermittelt, die Aufnahme von Ermittlungen wird geprüft. Die Namen der Unternehmen sollen allerdings unter Verschluss gehalten werden. Das hatte die Bundesregierung schon im vergangenen Monat in einer Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei (PDF) erklärt. 

Da bei Verstößen gegen das Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen die Verjährungsfrist zehn Jahre beträgt, gilt es als unwahrscheinlich, dass es zu Ermittlungsverfahren kommt.