Türkische Soldaten vor einem Gericht in Silivri © Murad Sezer/Reuters

Mitten im syrischen Bürgerkrieg, auf einer winzigen Halbinsel im Euphrat, stehen 25 türkische Soldaten. Sie bewachen das Grab von Süleyman Shah, dem Großvater des Gründers des Osmanischen Reiches. Auf Fotos sieht man, wie sie in grünen Uniformen und mit weißen Helmen am Eingang des sandfarbenen Gebäudes Spalier stehen. Es ist eine türkische Exklave seit fast hundert Jahren, eine durch internationale Verträge abgesicherte, kleine Skurilität, mehr nicht.

So war es bisher. Nun aber könnte das knapp zwei Hektar große Stück Land 25 Kilometer südlich der Grenze zur Türkei zum Kriegsgrund werden. Mittelpunkt der türkischen Politik ist es seit diesem Donnerstag bereits. Und Symbol einer gescheiterten türkischen Außenpolitik.  

Das Gebiet rund um die Exklave kontrollieren die radikalen islamistischen Kämpfer von ISIS, die Abkürzung steht für "Islamischer Staat im Irak und in Syrien". Sie liefern sich mit anderen Rebellengruppen seit Monaten einen brutalen Kampf um die Macht im Nordwesten Syriens. Am 20. März stellten sie der Türkei ein Ultimatum. Innerhalb der folgenden drei Tage sollten die Soldaten abziehen vom Gelände des Grabs, sonst würde man angreifen.     

Der türkische Premier Erdoğan hatte bereits im August 2012 klargestellt, dass er einen Angriff nicht ignorieren könne "weil es ein Angriff auf unser Territorium wäre sowie ein Angriff auf das Territorium der Nato". Und weiter: "Jeder kennt seine Pflichten und wird weiterhin tun, was nötig ist." Nach der ISIS-Drohung legte Präsident Abdullah Gül nach: Das Grab werde "beschützt werden, wie unser Heimatland beschützt wird", erklärte er. 

Das Ultimatum verstrich. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil sich die Islamisten selbst nicht einig waren, ob sie es wirklich auf eine Eskalation mit der Türkei ankommen lassen wollten. Das sagte zumindest ein turkmenischer Kämpfer aus der Gegend dem türkischen Ableger des Senders Al-Jazeera.