Die ukrainische Regierung hat den Soldaten auf der Krim erlaubt, Waffen zur Selbstverteidigung einzusetzen. Das berichten der Guardian und CNN unter Berufung auf das ukrainische Außenministerium. Der Konflikt habe sich "von einem politischen in einen militärischen" verwandelt, sagte Interimsregierungschef Arseni Jazenjuk bei einer Krisensitzung des Kabinetts.  

Zuvor waren auf einem ukrainischen Stützpunkt in der Gebietshauptstadt Simferopol zwei Menschen erschossen worden. Zunächst hatte das ukrainische Verteidigungsministerium bekanntgegeben, dass ein ukrainischer Soldat getötet worden sei. Später war von einem zweiten Toten die Rede, bei dem es sich um ein Mitglied der prorussischen Kräfte handeln soll. 

Nach Polizeiangaben eröffneten zwei Scharfschützen das Feuer auf den ukrainischen Stützpunkt und töteten die beiden Soldaten. Zwei weitere Personen sollen verletzt worden sein. Einer der beiden Täter sei gefangen genommen worden, der andere sei auf der Flucht, berichten russische Medien.

Abweichende Berichte

Der ukrainische Ministerpräsident hatte zuvor erklärt, die russischen Soldaten hätten das Feuer auf die ukrainischen Kräfte eröffnet. "Russische Soldaten haben damit begonnen, auf ukrainische Armeeangehörige zu schießen, und das ist ein Kriegsverbrechen", sagte Jazenjuk. Der Konflikt um die Krim werde nicht mehr politisch, sondern militärisch ausgetragen. Er habe seinen Verteidigungsminister angewiesen, ein Treffen mit Vertretern Russlands, Großbritanniens und der USA anzuberaumen, sagte Jazenjuk.

Der US-Sender CNN berichtet, "bewaffnete Leute mit Masken" hätten den Stützpunkt bei Simferopol gestürmt. "Es fielen Schüsse. Es gibt Verletzte. Ein ukrainischer Offizier wurde verletzt", zitiert der Sender einen Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kiew. Der Mann sei von Kugeln am Bein verletzt worden, sagte der Marine-Kommandant Sergej Gajduk bei einem Treffen mit Vertretern der ukrainischen Übergangsführung in Kiew. 

In den vergangenen Tagen hätten sich die Versuche "militärischer Einheiten" gehäuft, ukrainische Stützpunkte zu erstürmen, sagte der Marine-Chef während seines Gesprächs mit dem ukrainischen Interimspräsidenten Alexander Turtschinow und Jazenjuk. Insgesamt 38 ukrainische Militärstützpunkte auf der Halbinsel würden inzwischen von russischen Streitkräften blockiert.

Die russischen Soldaten hätten die Zentrale der Militäreinrichtung eingenommen und den Kommandeur festgesetzt, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Die ukrainischen Soldaten hätten es abgelehnt, ihre Waffen niederzulegen und sich verbarrikadiert. Ein ukrainischer Soldat sagte im Fernsehen, rund 20 ukrainische Soldaten hätten es abgelehnt, sich zu ergeben. Bei ihnen seien 10 bis 15 weitere Personen, darunter Frauen.

Ukraine protestiert gegen Annektierung

Am Mittag hatte Russlands Präsident Waldimir Putin den Vertrag über die Aufnahme der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Schwarzmeer-Halbinsel unterzeichnet. Vor einer Menschenmenge auf dem Roten Platz in Moskau sagte Putin danach, die Halbinsel sei wieder in ihren "Heimathafen" eingelaufen. In einer offizielle Mitteilung des Kreml hieß es, die Krim werde ab sofort als Teil Russlands betrachtet. 

Die Ukraine hat formell Protest gegen die Anerkennung der Unabhängigkeit der Krim-Halbinsel durch Russland eingelegt. Der russische Botschafter in Kiew, Andrej Worobew, sei einbestellt worden, erklärte das ukrainische Außenministerium. Dabei sei ihm eine Protestnote gegen die Anerkennung der "Republik Krim" durch Moskau übergeben worden.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte den Anschluss der Krim mit deutlichen Worten. Moskau befinde sich auf einem "gefährlichen Weg", sagte Rasmussen in Brüssel. "Russland verletzt weiterhin die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine und setzt seinen offenkundigen Bruch seiner internationalen Verpflichtungen fort."

Am Sonntag hatte die Bevölkerung der Krim in einem umstrittenen Referendum mit weit über 90 Prozent für die Angliederung der ukrainischen Halbinsel an Russland gestimmt. Die ukrainische Zentralregierung in Kiew und der Westen sehen das Referendum und Russlands Vorgehen auf der Halbinsel als völkerrechtswidrig an. In einer offiziellen Mitteilung des Kreml hieß es, die Krim werde ab sofort als Teil Russlands betrachtet.

In einer Rede vor beiden Kammern des Parlaments sandte Kreml-Chef Putin allerdings auch Entspannungssignale aus und erklärte, er strebe nicht die Abspaltung weiterer Teile der Ukraine an. Dem Westen warf Putin aggressives und unverantwortliches Verhalten vor. Die Regierung in Kiew nannte Putin illegal und sagte, ihr gehörten "Neonazis, Russland-Feinde und Antisemiten" an.