Als Konsequenz aus dem Konflikt mit Russland fordert der polnische Ministerpräsident Donald Tusk eine bessere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten in Sachen Energiepolitik. "Wir brauchen eine europäische Energieunion", sagte er der ZEIT. Die Abhängigkeit von Energieimporten stelle eine Gefahr für die Unabhängigkeit Europas dar. "Das gilt für alle europäischen Länder und aufgrund seiner Größe insbesondere für Deutschland."

Erste Maßnahme könnte sein, dass die EU die Aufträge für Gaslieferungen vergemeinschaftet, "etwa durch Gründung einer paneuropäischen Gasbörse", sagte Tusk. "Diese könnte die bilateralen Verträge mit der russischen Regierung und mit Gazprom ersetzen, die heute nicht transparent sind." 

Zudem sollte Europa auf Atomenergie, moderne Kohletechnologien und Flüssiggas aus den USA setzen. Auch die Erkundung des umstrittenen Schiefergases müsse fortgesetzt werden, so der Premierminister. "Die erneuerbaren Energien sind nicht der wichtigste Schlüssel, dafür sind sie zu teuer." Nicht in allen europäischen Ländern, sagte Tusk, sei diese Frage so sensibel wie in Deutschland.

Große Fracking-Skepsis in Deutschland

In Deutschland wird die Förderung des Schiefergases durch die sogenannte Fracking-Methode seit Längerem heftig debattiert – seit der Ukraine-Krise sehen sich die Befürworter in ihren Argumenten bestärkt und verweisen auf die Energiepolitik der USA, die dadurch ihre Energieabhängigkeit vom Ausland stark reduziert hätten. Gegner verweisen dagegen auf Gefahren für das Trinkwasser und ein höheres Erdbebenrisiko.

Bislang kommen nach Angaben der Statistikbehörde Bafa knapp 39 Prozent der deutschen Erdgasimporte aus Russland, 29,4 Prozent aus Norwegen und 26,1 aus den Niederlanden. Heimisches Erdgas deckt etwa zwölf Prozent des hiesigen Gasverbrauchs – das sind rund elf Milliarden Kubikmeter. Zuletzt sank die heimische Förderung, weil die Vorräte in den vorhandenen Lagerstätten allmählich abnehmen und wegen der Fracking-Skepsis keine neuen Bohrungen bewilligt werden.

Energie nicht als Waffe einsetzen

Die Diskussion um die Zukunft der Energieversorgung war auch Thema beim Treffen von US-Außenminister John Kerry mit EU-Spitzenpolitikern in Brüssel. "Die Probleme der letzten Tage unterstreichen, was uns heute hierherbringt: Energiesicherheit – nicht nur für die Ukraine, sondern ganz Europa", sagte Kerry und warnte zugleich davor, Energie zu politischen Zwecken zu missbrauchen und "als Waffe" einzusetzen. Auch Russland spiele mit dem Gas ein "gefährliches Spiel", die Waffe könne sich am Ende gegen Moskau selbst richten.